12 November 2017

Die Bahn und die Achtsamkeit

Die Zusammenhänge sind nicht immer auf den ersten Blick zu sehen. Bei meinem reichhaltigen Erfahrungsschatz mit der Firma DEUTSCHE BAHN hätte ich es allerdings ahnen können.
Ich hatte mir am Freitagmorgen vorsichtshalber nur das Ticket bis zum Löhr-Center gelöst. Denn durchlösen bis Moselweiß, am Löhr-Center aussteigen, vielleicht anderthalb Stunden beim HNO verbringen und dann mit dem gleichen Ticket nach Moselweiß zur Pizzeria weiterfahren, das konnte ja nicht richtig sein. Garantiert hätte mir auf der Weiterfahrt nach Moselweiß ein Schaffner aufgelauert und mich beim Anblick meines Tickets mitleidsvoll angelächelt. "Glauben sie, mit einem Einzelfahrschein kann man den ganzen Tag durch die Stadt fahren?!" hätte er mich gefragt und ich hätte fuffzig Euro fürs Schwarzfahren löhnen müssen. Oder so.
Ok, erstmal nur bis Löhr-Center gelöst, Abfahrt. Als ich auf der Fahrt dorthin die freundliche Schaffnerin fragte, wie lange man denn grundsätzlich mit einem Einzelfahrschein Pause einlegen könnte, erklärte sie mir natürlich, drei Stunden könne man pausieren. Tja, wie man's macht....
So musste ich mir dann mittags ein weiteres Ticket kaufen, um zur Pizzeria zu gelangen, wo ich mit Petra zum Mittagessen verabredet war.
Als Petra mich nachmittags am Hauptbahnhof absetzte, stand tatsächlich die Regionalbahn für die Rückfahrt bereits abfahrbereit auf dem Gleis. Das hätte mich stutzig machen sollen. Tat es aber nicht. Alles lief planmäßig und wie geschmiert. Jedenfalls bis Lützel. Die Ansage verkündete den nächsten Halt in Urmitz/Rheinbrücke. Mir kamen die ersten Zweifel. Da hält die doch sonst nie. Häää?!  Beim weiteren Streckenverlauf über den Rhein nach Engers wurde es mir klar. Die haben mich wieder reingelegt. Einen Moment ist man mal unachtsam - Zack, steht der falsche Zug auf dem Gleis. Naja, für Fehler bezahlt man halt. Weiter in Richtung Neuwied unterwegs kamen mir Zweifel, wie ich das dem Schaffner erklären sollte, der unzweifelhaft gleich aufkreuzen würde. "Ich hab die falsche Fahrkarte, weil ich aus Versehen in den falschen Zug gestiegen bin!"? Ich hörte den Schaffner in Gedanken schon lachen. "Jaja, falscher Zug. Tolle Erklärung!". Oh Mann!
Als ich das Ticket aus der Brusttasche holen wollte, wurde mir dann heiß: Falsche Fahrkarte? Welche Fahrkarte?? Ich hatte am Bahnhof auf den Abfahrtsplan geschaut, war sofort zum Gleis 3 gesprintet, eingestiegen und losgefahren. Ach du Scheiße! Das glaubt Dir ja gar keiner mehr. Die folgenden 8 Minuten bis Neuwied Bahnhof dehnten sich zu Stunden. Obwohl es im Zug recht kalt war, wurde mir heiß. Der Controletti würde einen Blick ins Abteil werfen und sofort sehen: Der Typ mit der roten Birne und dem verbissenen Grinsen fährt schwarz! Und ich weiß bis heute nicht, welcher glücklichen Fügung ich es zu verdanken habe, dass diesmal keine Kontrolle kam.
In Neuwied konnte ich dann erstmal aussteigen und aufatmen. Der Fahrkartenautomat zeigte mir an, dass ich zwanzig Minuten später mit dem Bus direkt nach Andernach fahren kann. Nochmal aufatmen. Eigenartig war nur, dass im Display stand: "Bitte wählen sie die gewünschte Fahrt aus" und drei Fahrten angezeigt wurden, aber nur hinter der anderthalbstündigen Bahnfahrt mit zweimal umsteigen ein Button [Auswählen] zu finden war. Die Zeile mit der schnellen Busfahrt ließ sich nicht auswählen. Es war gut, dass ich keinen Hammer im Rucksack hatte, denn ich glaube, DAMIT HÄTTE ich auf dem Touchscreen die gewünschte Fahrt ausgewählt. Also rein in den Bahnhof, und tatsächlich gab es dort einen besetzten Infoschalter der Verkehrsbetriebe. Vor mir drei junge Menschen, die versuchten, dort ein Ticket nach Würzburg für einen vierten jungen Mann zu ergattern, welcher der deutschen Sprache nicht mächtig war. An sich nicht schlimm. Außer man steht dahinter und weiß, dass der Bus in einer Viertelstunde abfährt. Nachdem die drei mit dem vierten ausgiebig über die Abfahrtszeit (morgen oder doch lieber am Sonntag?) und den Abfahrtsbahnhof (Neuwied, oder sollen wir Dich nicht doch besser nach Koblenz bringen?) und alle sich daraus ergebenden Kombinationen diskutiert hatten, kauften sie dann endlich ein Ticket, bevor ich anfing, Tierlaute von mir zu geben.
Leider stellte sich heraus, dass ich die benötigte Busfahrkarte auch nicht bei dem freundlichen Info-Menschen erwerben konnte, sondern ausschließlich beim Busfahrer.
Spätestens jetzt wird dem geneigten Leser vor Augen geführt, dass eine solche Eigendynamik, so sie einmal begonnen hat, nicht mehr zu stoppen ist. Sie verknüpft viele kleine Ereignisse derart kausal miteinander, dass man schon sehr achtsam sein muss, um überhaupt  noch einen Ausweg zu finden, bevor das Ganze in einem kompletten Fiasko endet und sich am Ende die Kontinentalplatten verschieben. Und genau das fiel mir in diesem Moment ein. Achtsam sein. Tief durchatmen. Nachdenken.
So überlegte ich draußen an der Bushaltestelle, was denn als nächstes Malheur auf mich warten könnte. Einer diffusen Ahnung folgend öffnete ich mein Portemonnaie - und sah, dass ich mein Kleingeld in der Pizzeria komplett fürs Trinkgeld geopfert hatte. Nur ein einsamer Fuffi steckte noch im Notenfach. Das war's! Der Busfahrer würde nicht wechseln können und ich hätte anschließend genügend Zeit zum Geldwechseln, denn der nächste Bus nach Andernach fuhr erst in einer Stunde.
Ich also mit eiligen Schritten zum Bahnhofskiosk, die Betreiberin war natürlich begeistert, als sie mir für einen Riegel "Wunderbar" ihr komplettes Wechselgeld rausgeben musste. Tja, mich fragt auch keiner. Ein Blick auf mein Handy zeigte mir, dass sich der Akku bedrohlich der Null näherte. Soso, das war also der Plan. Aber nicht mit mir.
Ich war rechtzeitig wieder an der Haltestelle. Als der Bus nach fünf Minuten Verspätung immer noch nicht da war, dachte ich kurz, der Bahn-Murphy hätte umdisponiert und der Bus würde unterwegs einen Motorschaden vortäuschen, aber zwei Minuten später kam er tatsächlich und brachte mich sicher nach Hause. Der Herr vor mir bezahlte übrigens mit einem Zwanziger und der Busfahrer musste ziemlich tricksen, um ihm rausgeben zu können. Zwei Euro in 20-Cent-Stücken oder so ähnlich.

An einem solchen von Murphy angebissenen Tag überrascht es auch nicht, dass ich beim abendlichen Skat gerade nochmal an einer verlorenen Runde vorbei kam. Den ganzen Abend nicht ein halbwegs vernünftiges Blatt. Ja, so hängen die Dinge nun mal zusammen. Sowas kann am Ende auch mal ganz anders ausgehen. Deshalb: Augen auf im Bahnverkehr!

04 November 2017

nachtdertechnik 2017

Um es vorweg zu nehmen: Auch in diesem Jahr war es wieder eine rundum tolle Veranstaltung im Kompetenzzentrum der Handwerkskammer Koblenz, die für jeden halbwegs technisch interessierten Menschen sehr viel interessante Vorträge bot. Wie immer war Fabi mit dabei, und auch mein Kumpel Mike T-Bone hatte sich angeschlossen. Als wir um 15:30 in der ersten SciFi-Lesung mit Livemusik saßen, gesellte sich erfreulicherweise auch noch Tanja hinzu. Gemeinsam lauschten wir den klassischen SciFi-Abenteuern der Terran Starfleet, vorgelesen vom Autor Volker Schmid. Der Clou war jedoch die musikalische Unterhaltung durch die Starfield Voyagers.
Richtig geile Space-Mucke, live vorgetragen!
Danach trennten sich unsere Wege. Fabi und Tanja ließen sich von Sandra Unruh (Uni Bonn) die dunkle Materie im Geschosshaufen kollidierender Galaxienhaufen erklären, während wir Kerle uns das IOT (Internet Of Things) erklären lassen wollten. Da hier nichts wirklich Neues dabei war und der Vortragende ständig das Mikro zu weit weg hielt, machten wir nach 20 Minuten die Biege und schlürften lieber einen Espresso. In der anschließenden Vorführung Bionic Learning Network fanden wir uns alle vier wieder zusammen. Jedoch war dies mehr eine Firmenpräsentation denn eine Bionik-Erklärung. Zudem suchte der Vortragende ständig seine Film-Dateien live im Explorer auf der Leinwand, das war so naja.
Danach wurde es richtig spannend. Prof. Dr. Skorupka von der Hochschule Fulda erläuterte vor ausverkauftem großem Saal auf sehr kurzweilige und amüsante Weise die Relativitätstheorie eines Herrn Einstein. Tanja hatte sich mittlerweile zum Quantencomputing verabschiedet, dass ich ebenso schweren Herzens falle lassen musste wie die träumenden Roboter und Künstliche Intelligenz wird flügge. Zwischen 18:30 und 21:00 Uhr knubbelten sich zu viele interessante Vorträge. Man kann ja immer nur einen gleichzeitig besuchen.
So fiel auch Gott würfelt nicht ... aber er lässt abkupfern durch's Raster, weil wir um 21 Uhr unbedingt Dr. Hubert Zitt bei seinem Vortrag Künstliche Intelligenz und Science Fiction zuhören - und das war der absolute Burner. Wieder ein ausverkaufter großer Saal und reichlich Applaus am Ende.
Danach war eine Pause in der Mensa angesagt. Bei Kaffee und Latte Macchiato gönnten wir uns eine Auszeit und schöpften noch einmal Kraft und Aufnahmevermögen für den letzten Durchgang. Fabi strandete bei den Pottwalen, die beiden Herren unternahmen eine Mission zum Jupiter. Und hier empfing uns zu unserer Überraschung die eine Hälfte der Starfield Voyagers aka Dr. Christian Grützner mit einem sehr interessanten Vortrag.
Gegen halb zwölf gingen wir wieder zurück zum Auto, beseelt von einem richtig schönen Abend - so wie in jedem Jahr.

03 November 2017

Bahn voll im Plan? Sogar über Plan!

Mein gestriger Banktermin begann seltsam. Ich hatte im Hotel etwas länger gebraucht dadurch fuhr mir die S-Bahn vor der Nase weg, die nächste wurde mit Verspätung angekündigt. Und wenn es so beginnt, weiß man ja um die kausalen Zusammenhänge, die ein pünktliches Erscheinen dann völlig unmöglich machen, egal was man macht. Und so folgten dann verpasste Anschlussbahn, telefonisch nicht erreichbare Bank, falscher Ausgang am Ziel-S-Bahnhof, ein Smartphone-Navi, dass mich über viele kleine Fleetbrücken dreimal ums Viertel führte, bevor eine nette Passantin mir den Weg um die Ecke zeigte. Mit einer halben Stunde Verspätung stand ich dann in meiner Bank.
Und es wurde trotzdem alles gut. Ein super Beratungsgespräch in einem sehr entspannten Klima.
Am Ende des Tages stand der Besuch beim Griechen in St.Georg und die herzliche Verabschiedung von Maren.

Nach einem entspannten letzten Tag läuft unsere heutige Heimreise bisher überraschend planmäßig. Die S-Bahn fährt uns pünktlich zum Hauptbahnhof. Wir haben Zeit genug, um uns im Bahnhof mit Getränken und Reiseproviant zu versorgen. Der IC rollt planmäßig ein, die reservierten Plätze sind frei. Was will man mehr?
Mir gegenüber sitzt eine nette ältere Dame, die über's Handy mit ihrer Tochter wichtige Dinge bespricht.

Wenn nur nicht dieses komische Bauchgefühl wäre, irgendwas stimmt doch hier nicht.....
Gerade, als ich diese Zeilen schreibe, kommt die Durchsage: "Außerplanmäßiger Halt kurz vor Osnabrück zur Aufnahme von Reisenden." Den Namen des Bahnhofs hab ich bis heute noch nie gehört. Wer mag wohl hier gestrandet sein?

Aber die Fahrt geht unbeschadet weiter, wir haben zwischendurch auch mal zehn Minuten Verspätung, kommen aber letztendlich sogar zu früh in Koblenz an.
ZU FRÜH - DIE BAHN!
Die ältere Dame wird in Koblenz von ihrem kleinen Enkelchen und seiner Familie freudig in Empfang genommen und nach Hause gefahren. Sie hat wahrscheinlich auch ein paar interessante und schöne Tage irgendwo verbracht.
Es ist seltsam, sogar mein Anschlusszug nach Andernach kommt pünktlich, hat freie Plätze, in Andernach steht mein Auto noch unbeschädigt auf dem Bahnparkplatz, springt sofort an.
Was ist los? Ich bin ziemlich ratlos, ich gebe es zu. Vermutlich bin ich während des Hamburg-Aufenthalts durch ein Raum-Zeit-Loch gefallen und in einem Paralleluniversum gelandet, anders kann ich mir das alles nicht erklären. Vielleicht vorgestern abend, als dieser seltsame Alarm im Hotel uns alle auf die Straße trieb, in Hemd und Schlappen, mit dem Buch in der Hand. Als wir später nachfragten, was denn los gewesen sei, hatte ma uns erklärt, dass jemand zu heiß geduscht hätte und dies hätten den Hitzesensor der Brandmeldeanlage ausgelöst. Mal ehrlich, wegen einer zu heißen Dusche das ganze Hotel zu evakuieren, das klingt ja noch abgedrehter als alles andere.
Ja, ich denke, dabei wird es passiert sein. Ich tu einfach mal so, als sei alles wieder normal und werde zukünftig die DEUTSCHE BAHN noch etwas genauer beobachten.

01 November 2017

Flanéren in der Mönckeberg

Auf die heutige Begegnung mit Martina hatte ich mich sehr gefreut. Die Cousine meines alten Kumpels Arno, die es seit vielen Jahren nach Hamburg verschlagen hat, kannte ich bisher nur vom WhatsAppen und telefonieren. Und so kam es, wie es kommen musste, wenn sich zwei Menschen treffen, die einen Sinn für Familienforschung haben: Die Zeit verging wie im Flug, ich fand unsere Unterhaltung hochinteressant, wir landeten am Ende in der kleinen Patisserie flané im Levante-Haus, und verabschiedeten uns mit dem Vorhaben, auf jeden Fall in Kontakt zu bleiben.
Eine sehr nette neue Bekanntschaft.
In der Zwischenzeit hatten sich Maren und Petra schon auf den Weg ins Chile-Haus gemacht und ließen den gut gelaunten, älteren Herrn einfach am vereinbarten Treffpunkt Karstadt warten. Ich sag's ja.
Als die beiden nach Stunden dann endlich auftauchten, wurde es auch Zeit für eine kleine Mahlzeit beim Italiener am Ende der Spittaler Straße. Und dann, schwuppdiwupp, waren die beiden wieder in der U-Bahn verschwunden in Richtung Reeperbahn zum Schmidts Tivoli, denn ein Musical sollte es beim Hamburg-Besuch schon sein. Mir blieb nur der Rückweg ins Hotel, denn in meinem Alter darf man sich auch ab und an eine Auszeit gönnen.

Kleiner Nachtrag: Zum Abschluss gab es kurz nach halb neun noch einen schrillen Alarm im ganzen Hotel. In Schlappen und dünnem Hemd fünf Stock runtergestolpert und zehn Minuten draußen bei 9°C im Nieselregen verbracht, bis Feuerwehr und Polizei Entwarnung gaben. Sowas kann auch ganz anders ausgehen, Glück gehabt.

Den Dingen auf den Grund gehen

Eine kurze Buchbesprechung muss ich noch loswerden.
Anne von Canal hat mit ihrem Debutroman "Der Grund" ein bewegendes Werk geschaffen. Das Buch ist anspruchsvoll, man kann es nicht mal so nebenbei lesen. Ich musste immer wieder überprüfen, auf welcher Zeitebene die Handlung gerade spielt. Ja, ich habe eine Weile gebraucht, dieses Muster zu durchschauen. Aber genau das macht es auch hochinteressant.

Ohne jetzt allzu sehr zu spoilern, die Geschichte selbst ist gar nicht so schwierig. Sie ist aber so geschickt aufgebaut, dass sie jederzeit das Interesse daran wach hält, zu verstehen, was denn nun genau passiert ist. Sie beginnt mit dem Ende, ohne das einer bestimmten Zeit zuzuordnen. Dann wechselt sie erkennbar zwischen 2005, 1976, 1992 und nimmt in jedem Kapitel Bezug auf Vergangenes, in Form von Erinnerungen. Sie wechselt zwischen Ich-Erzählung (2005) und von-außen-Betrachtung und man hat am Ende ein Kaleidoskop von Erlebtem und Gefühltem der Hauptfigur, dass man auch nach und nach besser versteht, je weiter man im Lauf des Buchs die Puzzlesteinchen zusammensetzen kann. Es ist nicht unverschämt schwierig, dem zu folgen, aber es erfordert Achtsamkeit vom Leser. Und es hält in der zweiten Hälfte des Buches zwei für mich unerwartete Informationen bereit, die mich umgehauen haben, die aber einiges verständlich machen und die einen am Ende auch wieder an den Anfang des Buches bringen. Und zum Verständnis der Mehrdeutigkeit des Titels.

Das i-Tüpfelchen sind für mich einige wunderbar treffende Beschreibungen und Vergleiche, die mich sehr ansprechen.

... und als ihr die Flasche entglitt und als Laurits instinktiv versuchte, sie aufzufangen, da spürte er in der Dunkelheit unerwartet ihre kühlen Hände. Ein Schlag aufs Herz war das, und die Welt stockte, stolperte und richtete sich neu aus. Alle Pole waren festgelegt. Nord und Süd. Plus und Minus. In dieser Nacht verbanden sich seine rechte und ihre linke Hand magnetisch ....

... war als Einziger gebannt gewesen von den unendlichen Reihen fahler Plattenbauten, die wie Zahnstümpfe einer neben dem anderen in den Himmel ragten.....Von viel zu breiten Straßen, die sich wie aufgeworfenen Narben durch die Landschaft zogen. Von den weiten Flächen monochromen Nichts....Von dem nicht ausgerotteten Argwohn, der aus den Blicken der Menschen sprach....

Ich hoffe, ich habe Euer Interesse geweckt. Wer die Muse hat, achtsam zu lesen, dem lege ich diese Perle wärmstens ans Herz.

31 Oktober 2017

Gerda und die Portugiesen

Eigentlich sollte es ein müder, vertrödelter Tag werden. Aber wenn man schon mal in Hamburg ist, rappelt man sich doch mittags auf und fährt zu den Landungsbrücken. Bei meinem x-ten Besuch in Hamburg mache ich tatsächlich heute zum allerersten Mal eine geführte Hafenrundfahrt.
350 meter lange Kähne mit 10 x 15.000 P.S - oder so ähnlich
Mit schnodderigen und nie langweiligen Ansagen und Erklärungen cruisen wir mit der vollbesetzten Barkasse Gerda 2.0 anderthalb Stunden lang durch Containerhafen und Speicherstadt. "Treten Sie bitte beim Besteigen des Schiffs nicht allzu fest auf, der Kahn ist schon etwas älter!"

In der Brücke 10
Auf dringende Empfehlung des Schiffsführers eilen wir danach bis zum Ende der Landungsbrücken und stellen uns ne Viertelstunde an, um an der Brücke 10 das definitiv beste Fischbrötchen des Hamburger Hafens zu futtern.

Danach brauchen wir dringend was Warmes zu trinken und suchen uns im Portugiesenviertel erst mal ein kleines Café auf, wo wir mit einem Galao und heißer Schokolade unsere Betriebstemperatur wieder über den Gefrierpunkt heben.

Galao zum Aufheizen








Eine Stunde später und einige Querstraßen weiter wollen wir uns im Porto auch noch mit fester Nahrung versorgen, ein Fischbrötchen allein hilft einem nur bedingt über den Tag. Leider ist im Porto selbst nichts frei, daher führt der Kellner uns galant raus zum Nachbarn, dem NAU, wo wir einen letzten Platz vor der Garderobe ergattern können. Unglaublich, nachmittags um fünf sehen alle Restaurants im Portugiesenviertel pickepackevoll aus. Im NAU liegt neben der hauseigenen Karte tatsächlich auch die Karte vom Porto aus. Und das gegrillte Lachsfilet mit Krabbensahnesauce, Kartoffeln und Brokkoli muss dran glauben. Danach bin ich pickepackesatt und Petra ist heilfroh, dass sie sich für die kleinere Portion Gambis entschieden hat.

Der Tag ist gerettet und nach einem Absacker in der Hotelbar sind wir beide froh, als wir wieder auf dem Zimmer sind.
Sie halten gut durch

30 Oktober 2017

Von der Schanze bis Klamottensen

Wir spürten es heut morgen beim Frühstück: Die Zeit für einen Ausflug in die große Stadt war gekommen. Maren erwartete uns bereits an der Sternschanze, ein kleiner Rundgang durch Susannenstraße, Bartelstraße, Schanzenstraße und Schulterblatt sollte Petra etwas von der heruntergekommenen Schönheit dieses Viertels vermitteln. Nach einer freudigen Begrüßung kam ich mit den beiden Mädels genau bis ans zweite Geschäft in der Susannenstraße, Gusti Leder. In einem kleinen, überfüllten Laden werden dort Ledertaschen aller Art aus fairer Herstellung feilgeboten.

Hmmmh, das bedeutete, dass ich ne ganze Weile alleine Zeit hatte, das bunte Treiben auf der Straße zu beobachten. Im Laden gewann Maren das Rennen um die gleichzeitig ausgerufene "Boah, die ist aber schön!"-Tasche. Aber ich muss gestehen, in der Auslage sah ich wirklich wunderschöne Ledertaschen aller Arten und Größen zu erschwinglichen Preisen.


Unglücklicherweise kam zwei Läden später mit "Wolle & Strick" ein nächster unwiderstehlicher Magnet für die beiden Damen. Ich befürchtete schon, wir kommen heute nicht an der Bartelstraße an. Aber, ein Wunder, auch hier kamen beide wieder raus, ehe ich draußen Wurzeln geschlagen hatte.

Beim weiteren Rundgang sahen wir, dass es doch mittlerweile einige Leerstände und einige Geschäfte von großen Ketten gibt, die eigentlich nicht in dieses bunte alternative Viertel passen. Die Anzahl der Gustis geht langsam zurück.
Am Ende unseres Kurztrips schlug dann meine Stunde, als ich meine geliebte Schanzenbuchhandlung betreten durfte. Es war wie immer. Tolle Auslagen mit vielen interessanten Buchcovern, die man sonst in keiner gewöhnlichen Buchhandlung findet. Gekauft hab ich mir Kazuo Ishiguro, dessen begrabener Riese mich durch die nächsten Tage begleiten wird.
Meine beiden Begleiterinnen warern sehr fair zu mir und ließen mich sehr lange stöbern, während die beiden es sich nebenan im Cafe Stenzel gemütlich gemacht hatten.
Auf dem Weg zurück zur S-Bahn kamen wir wieder bei Gusti vorbei und konnten Petra nicht früh genug festbinden. Sie war jedoch tapfer und kam ungekaufter Dinge wieder aus dem Laden, als sie festgestellt hatte, dass sie genau so vier eine Tasche bereits hatte.
Weiter ging es mit der S-Bahn nach Altona, auch hier verschaffte ein längerer Rundgang über die Ottenser, Bahrenfelder, Friedensallee und Rainstraße einen Überblick über die bunte Kultur mit vielen kleinen Läden, die keiner Kette angehörten. Am Klamottensen konnten dann beide Mädels nicht vorbei gehen, was mir zu einem Espresso und einem Kokosbällchen mit Karamelfüllung verhalf.

Heut abend fuhren wir mal mit dem Bus nach Bergedorf-City und fanden im Lavastein einen gemütlichen Platz fürs leckere Abendessen. Zurück im Hotel angekommen sind wir beide froh, die Füße wieder hochlegen zu können.


Wir haben echt Glück, dass wir dem Unwetter ziemlich komplett durchgeflutscht sind. Wären wir einen Tag später nach Hamburg gefahren, hätte die Fahrt in Dortmund geendet. Und heute fuhren bereits alles S-Bahnen wieder regulär.

29 Oktober 2017

Alles gut in Bergedorf

Nach den Sturmflutmeldungen des letzten Tages waren wir froh, in Bergedorf ziemlich unbehelligt davon gekommen zu sein. So konnten wir heute kurz vor mittag einen größeren Spaziergang zum Campus der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) machen, die hier in Bergedorf einen großen Flohmarkt im Hochschulgebäude veranstaltete.



Flohmarkt, soweit das Auge reicht.
Ok, wir hatten unterwegs ein paar kleinere Hindernisse wie umgestürzte Bäume zu überwinden, kamen aber ohne größere Blessuren an der Hochschule an. Und der Flohmarkt stellte sich nicht als groß, sondern als riesig heraus. Und als sehr gut besucht. Obwohl hier mehr Ausstellungsfläche genutzt wurde, als wir jemals besuchen können, herrschte überall ein enges Gedränge und Geschubse. Nach ungefähr zwei Stunden waren wir beide übersättigt und wussten nicht mehr, wo wir hingucken sollten. Gekauft haben fast nichts. Ein paar DVDs, eine CD, das ein oder andere Buch, ein paar Schuhe und sonst nur ein paar Kleinigkeiten. Nach dem Rückweg zum Hotel brauchten wir dann doch eine kleine Verschnaufpause.

Happy man

Zum Glück fuhr hier draußen die S-Bahn wieder, und so konnten wir das Abendessen in der Bergedorfer Altstadt genießen, nur eine S-Bahn-Station entfernt.

Wir landeten schließlich im Fidelio, dort war's nett, lecker und bezahlbar, was man dem Herrn auf dem Bild wahrscheinlich ansieht. Holzfällersteak, Bratkartoffeln, Salat und Rhabarberschorle waren köstlich, über das Gericht der begleitenden Dame wurde ich gebeten, Stillschweigen zu bewahren. Aber ich glaube, den Knobi-Anteil riecht man auf dem Foto durch's Internet. Weil Petra auf dem Heimweg die letzten dreihundert meter von der S-Bahn zum Hotel rekordverdächtig mit kurzen schnellen Schritten überbrückte, waren wir pünktlich um acht zurück im Hotel, denn The Voice of Germany ist natürlich Pflichtveranstaltung.

28 Oktober 2017

Neue Erlebnisse mit der Deutschen Bahn

So sollte eine Reise immer beginnen: Ausgeschlafen frühstücken und dann in der Bahn-App sehen, dass der 9:06 von Andernach nach Koblenz nur 6 Minuten Verspätung hat - aber er fährt. Um zehn vor neun im Bahnhof dann die irritierende Feststellung, dass auf dem ausgehängten Abfahrtsplan bereits 9:12 steht. Wie sie diesen großen Plan so schnell neu gedruckt haben, ist mir ein Rätsel, zum als noch kein Bahnmensch weit und breit zu sehen ist. Aber gut, die Ansage über Lautsprecher verkündet ebenfalls die planmäßige Abfahrt um 9:12 auf Gleis 1. Endlich mal was, das klappt, toll.
Einer inneren Eingebung folgend gehe ich um 9 Uhr zum Bahnsteig, wo sich bereits ein erkleckliches Völkchen eingefunden hat. Belustigt folgt man den Ansagen, die wechselweise über Baustellen, Verspätungen und Zugausfälle berichten. Nur unsere Regionalbahn scheint nicht betroffen zu sein. Und tatsächlich rollt der Zug dann ein, es sing genügend freie Sitzplätze vorhanden, wir fahren ab. Kurz vor Weißenthurm schaue ich auf die Uhr - 9:09!
Ich frage meinen Nachbarn, ob jetzt wirklich die Bahn zu früh war. Der ist genauso erstaunt, das wäre für uns beide ein Premiere und ist eigentlich unvorstellbar. Wir ziehen eher temporäre Phänomene von Zeitverschiebung in Betracht, können uns das nicht anders erklären.
Als wir dann kurz vor Lützel eine sechsminütige Pause auf freiem Feld einlegen, ist das galaktische Zeitgefüge wieder im Takt und ich steige planmäßig in Koblenz aus.
Petra kommt auch kurz darauf am Bahnhof an. Gemeinsam beobachten wir besorgt die Anzeigetafel.
Interessante Tafel, besonders die rechte Spalte

Die meisten Züge haben Vermerke wie 'Zug fällt aus', 'Wg Baustelle ...' oder '+Verspätung XX Minuten+', unser IC taucht noch nicht auf. Wir gehen früh genug zum Bahnsteig, gehen lt. Wagenstandsanzeiger ans südliche Ende des Bahnsteigs - und lauschen dort der Ansage, dass die Wagenreihenfolge neu ausgewürfelt wurde. Zum Glück versteht Petra die folgende Ansage, dass unser Wagen 17, eigentlich als letzter Wagen geplant, an zweiter Stelle einfahren wird. Hinter Wagen 15, danach hören wir nicht mehr zu und machen uns auf den halbstündigen Weg zum Nordende des Bahnsteigs.
Und tatsächlich, der Zug ist pünktlich, Wagen 17 ist dabei, die reservierten Plätze sind frei. Wenn man fest dran glaubt, dass am Ende alles gut wird, klappt das auch.
Jetzt geht's looos!

So genießen wir die weiteren Ansagen über Verspätungen und andere lustige Sachen wie 'Ich darf Sie auf unserer Bordbistro hinweisen. Kaffee ist dort heute leider nicht erhältlich.'. Hier wird es nie langweilig.
Petra hat vorsichtshalber genug Strickwolle eingepackt. Wie gut!

Und tatsächlich, hinter Osnabrück wird es nun richtig kuschelig. Die Verspätung ist mittlerweile auf 45 Minuten angewachsen. Wir stehen mitten im Nichts. Und warten. Die nette Zugführerin informiert uns, das vor uns ein Güterzug liegen geblieben ist. Natürlich just auf unserem Gleis. Alle zehn Minuten ruckeln wir ein wenig weiter, um dann mit neuer Ansage wieder stehen zu bleiben. Aktuell ist der Güterzug in Sichtweite, die Zeitdilatation beträgt 63 Minuten. Und nun fahren wir am Güterzug vorbei. Es besteht tatsächlich die Chance dass wir Hamburg noch bei Tasgeslicht erreichen. Für Bremen werden gerade 75 Minuten angesagt. Petra vollendet das zweite Paar Socken. Geht doch!

Am Ende lerne ich trotz langjähriger Bahn-Erfahrung noch etwas Neues dazu. Im Zug verteilen die Zugbegleiter abgestempelt Reklamation storm unsre mitsamt Briefcouverts. Ich fülle bereits im Zug alles aus, im Hamburger Hauptbahnhof ergänze ich noch die Ankunftszeit, mehr als eine Stunde verspätet. Ich finde jedoch keine Möglichkeit, das zweite Ticket für Petra mit anzugeben, ich hab die beiden Plätze zusammen gebucht.
Die freundlichen Bahnmenschen in Hamburg klären mich darüber auf, dass nur eine Erstattung pro Buchung gewährt wird. Und da ich die Rückfahrt direkt mit gebucht habe, muss ich diese erst abwarten, damit ich das Originalticket mit der Reklamation abgeben kann.
Also: Zukünftig Hin- und Rückfahrt getrennt buchen, und zwar für jeden einzeln. Die Bahn wird nicht von heute auf morgen pünktlich sein, und so bekommt man für jede Verspätung über einer Stunde einen Teil des Fahrpreises zurück, und das gilt dann für jeden Mitfahrer. Wieso die Bahn sich solcher Winkelzüge im Kleingedrucktes bedient, mag sich jeder selbst beantworten..

Wir sind gut angekommen und fallen nach einem opulenten Abendessen im Hotelrestaurant gleich müde in die Betten.

09 Oktober 2017

Skippy zum Dritten

Oh Mann, es ist vollendet, das Buch fertig gelesen. Ich muss meine erste Einschätzung noch einmal korrigieren. Es geht nicht nur um eine Jugend in einem Dubliner Internat, es geht um mehr.
Es geht um Wahrheit und Lüge, um Freundschaft und Liebe, um die tausend Dinge, die dazwischen liegen und um die sich unser eigentliches Leben dreht, tagtäglich. Nämlich um vermeintliche und richtige Wahrheiten und gute und schlechte Lügen, um falsche und richtige Freundschaften und wahre und enttäuschte Liebe. Es geht um den vermeintlichen Sinn des Lebens, der sich als niederschmetternde Fälschung erweisen kann. Es geht einfach um alles.
Obwohl Skippy schon auf den ersten Seiten stirbt, befasst sich das ganze Buch mit dem Weg dorthin, kommt irgendwann bei Skippys Tod wieder an - und geht dann weiter. Eine schräg aufgebaute Dramaturgie, nichts zum gedankenlosen Runterlesen, mich hat es bis zum Schluss sehr berührt.
Und ich konnte mir ein paar Tränchen am Ende nicht verkneifen.

Zur Erinnerung an Ruprecht van Doren: Doughnuts

01 Oktober 2017

Lesestunde unter blauem Himmel

Schöner Oktober in der Pellenz
Skippy stirbt unter freiem Himmel, ein Lesevergnügen besonderer Art, wenn der Oktober einen so begrüßt wie heute. Hach!

29 September 2017

Ein Roman über das Erwachsen werden in Dublin

Auch mit diesem Buch scheine ich mal wieder einen Volltreffer an Land gezogen zu haben. Hilde hat es vor mir gehabt und mich schnell davon überzeugt, dieses Buch als Nächstes zu lesen. Der Klappentext beginnt so:

Ruprecht Van Doren ist ein übergewichtiges Genie, seine Hobbies sind komplexe Mathematik und die Suche nach außerirdischer Intelligenz. Mit Daniel >Skippy< Juster teilt er sich ein Zimmer im Turm des Seabrook College, einer altehrwürdigen Dubliner Institution, in der sich keiner so richtig für die beiden interessiert.

Schon auf den ersten Seiten (bis 79 bin ich gekommen, 780 sind es insgesamt) werden nicht nur die beiden Protagonisten, sondern auch einige andere Mitschüler und Lehrer in ihren Alltagssituationen so dargestellt, dass man sich gut in die Szenen hineinversetzen kann. Sehr berührt hat mich eine Passage auf Seite 36, die ich hier zitieren möchte:

Man verbringt ja einen großen Teil seiner Kindheit vor dem Fernseher und denkt, dass man alles, was man da sieht, eines Tages selbst erleben wird: Ein Formel-1-Rennen gewinnen, Trainhopping machen, einer Terroristengruppe das Handwerk legen, zu jemandem "Geben Sie mir die Waffe!" sagen usw. Dann kommt man in die höhere Schule, und plötzlich fragen einen alle nach beruflichen Plänen und langfristigen Zielen, und mit Zielen meinen sie nicht die, die man dereinst im DFB-Pokal zu erreichen hofft. Nach und nach dämmer einem die schreckliche Wahrheit - dass die Zukunft nicht die Achterbahnfahrt sein wird, die man sich vorgestellt hat, dass die Welt der Eltern, die Welt, in der man abwaschen, zum Zahnarzt gehen und am Wochenende im Baumarkt Bodenfliesen kaufen muss, weitgehend das ist, was die Leute meinen, wenn sie "Leben" sagen. Jeden Tag scheint sich jetzt eine weitere Tür zu schließen, die etwa, auf der PROFISTUNTMAN oder KAMPF GEGEN BÖSEN ROBOTER steht, bis dann im Lauf der Wochen auch die Türen mit Aufschriften wie VON EINER SCHLANGE GEBISSEN WERDEN, DIE WELT VOR EINEM ASTEROIDEN RETTEN oder IN LETZTER SEKUNDE EINE BOMBE ENTSCHÄRFEN eine nach der anderen zufallen und man das Geräusch allmählich sogar mag und anfängt, einige Türen selbst zu schließen, auch solche, die ruhig offen bleiben könnten.

Ich finde, berührender kann man das Erwachsenwerden kaum beschreiben. Wer Geschmack dran gefunden hat, dem empfehle ich die Buchhandlung meines Vertrauens in Andernach Anker-Buch oder online die Bestellung beim sozialen Versender buch7.

22 September 2017

Der Lauf der Dinge

Das Wochenende bot erneut ein gutes Beispiel dafür, was ich noch alles lernen kann im Leben. Auch als alter Knochen bin ich davor nicht gefeit, zum Glück. Diesmal begann es am Freitag mit unserem beliebten Retro-Skat. Unser Gastgeber Tom empfing uns gut gelaunt auf seiner überdachten Terese, zum Skatkloppen begaben wir uns dann doch lieber ins Warme. Schon beim ersten Spiel ging es los. Das Gefühl kennt wahrscheinlich jeder Skatspieler. Du kriegst ein Mistblatt, mit dem Du auch nicht ramschen kannst, sagst 18, und dann hast Du die Scheisse am Bein. Und von da an wusste ich, dass das an diesem Abend nicht mehr besser wird, egal wie gut ich spiele. Diesmal hab ich es, im Gegensatz zu früher, schnell akzeptiert.

Die drei Cracks - alle etwas retro
Dieser Abend ist nicht meiner und wird es auch nicht mehr. Du reizt auf ein Spiel ohne zwei mit fünf halbgaren Trümpfen, einem As und vier Batschfaulen. Kriegst mit 18 das Spiel und findest - zwei weitere Faule von Deiner bisherigen Fehlfarbe. Sechs Faule aus drei Farben. Was drückst du? Egal, was Du drückst, es ist FALSCH. Irgendwas muss man drücken. Ok, Du drückst Dich in einer Farbe frei. Behältst Das As bestellt und drei kleine Karo. Du sitzt hinten. Was spielt Vorhand auf: Die blanke 10 von der Farbe, die Du dreimal schwach behalten hast. Karo 10. Der andere das As, und Du bist verratzt. Nach drei Stichen haben die Gegner 49 Punkte. Sie haben noch die Zehn von deinem bestellten As und die höchsten zwei Bauern. Tataa!
So setzte es sich den ganzen Abend fort, aber ich rege mich nicht auf. Frau Werwolf würde sagen: "Das g'hört so!". Für einen solche Abend schlage ich mich mit zwei verlorenen Runden von sechs noch ganz beachtlich. Aber ich kann die Hauptsache genießen: Einen schönen unterhaltsamen Abend mit den alten Cracks, Darum bin ich hier.

Als ich kurz vor Mitternacht Long Tall Earnie daheim absetze, geht es mir gut und freue mich auf einen langen Schlaf.

15 September 2017

Kaltnacht bei Anker

Ein sehr schöner Leseabend in der Anker-Buchhandlung geht zu Ende. Gabriele Keiser stellte heute ihren neuen Franca-Mazzari-Krimi vor. Die Koblenzer Kommissarin löst im Buch "Kaltnacht" ihren 6.Fall, einen Doppelmord in Bad Breisig. Was die Autorin aus ihrem Werk vortrug, bewirkte beim Publikum vor allem eins: Lust auf mehr. Wir hörten spannende Kapitel ebenso wie Ausflüge in das Gefühlsleben der Kommissarin. Wenn selbst jemand wie ich, der mit der Krimileserei vor vielen Jahren wegen Übersättigung (Mankell. Walters und ganz viel Eifel) komplett abgeschlossen hat, sich in der Pause das Buch kauft, dann heißt das schon was.
Gabriele Keiser und Manfred Pohlmann bei Anker-Buch
Ebenso schön die musikalische Begleitung von Manfred Pohlmann, der passend zum Buchtitel Kaltnacht alte Klassiker wie "Winter in Kanada" auf sehr eigene Weise vortrug. Die erotische Passage des Romans kommentierte er musikalisch mit "Die Liebe ist ein seltsames Spiel". Einige im Publikum konnten beide Refrains mühelos mitsingen, Elisa Gabbai und Connie Francis hätten ihren Spaß gehabt.
Das Team von Nicole Anker bewirtete uns lecker mit Wein und Bulgur, auch den ausgezeichneten Espresso Doppio Macchiato konnte ich geniessen.
Meine liebe Kollegin Caroli begleitete mich heute abend, erfreulicherweise trafen wir auch auf weitere Kollegen, Freunde und Bekannte. Und vielleicht haben wir auch eine weitere Interessentin für unseren tollen Schreibkurs bei der VHS gewonnen, der von der Autorin geleitet wird.

08 September 2017

Betriebsausflug 2017: Rainy Day in Roermond

Zu nachtschlafender Zeit begann heute am Stadtgraben der diesjährige Betriebsausflug. 3 moderne Reisebusse und 115 gut gelaunte KollegInnen machten sich auf den Weg zum Designer-Outlet-Center in das schöne Städtchen Roermond. Ricarda und ich erkämpften uns den VIP-Platz in der ersten Reihe, als Altersteilzeitler hat man schon gewisse Privilegien. Zudem hat uns die liebe Caroli mit leckeren Muffins versorgt, was soll an einem solchen Tag noch schiefgehen?

In der VIP-Lounge
Die zwei Stunden bis Roermond vergingen wie im Flug, dank einer Lunchtüte und einem feixenden Kollegen im Nacken. Dort wurden wir direkt vor dem legendären Outlet-Center abgesetzt. Wir stürmten alle hinein - und Ricarda, Caroli, Claudia, Ernestov und ich am anderen Ende wieder hinaus ins Städtchen. Vom Rathausplatz aus machten wir einen Abstecher in die ECI Cultuurfabriek am Rande der Innenstadt. Auf dem Weg dorthin waren unzählige Geschäfte, Lokale, Restaurants und historische Häuser und Denkmäler zu sehen.
In der Cultuurfabriek gab es heute leider keine Führungen, alles bereitete sich auf das Wochenende vor, an dem europaweit ein Tag des Denkmals stattfindet, oder wie es hier in den Niederlanden heißt, der Open Monumentendag 2017. In einem Raum im Erdgeschoss wurde gerade eine Bilderaustellung aufgebaut. Daher setzten wir uns erstmal in das Fabriek-Bistro und ich probierte den ersten koffee verkeerd meines Lebens. Eine tolle Location, im morbiden Industrie-Ambiente fühlten wir uns sehr wohl.
Bistro in der Cultuurfabriek
Dann ging es zurück in die Innenstadt, es wartete eine Stadtführung auf uns. Zwei Gruppen mit je 15 Leuten wurden gebildet und wir hatten echt Glück mit unserem Führer. André Schnitzler machte das sehr lebendig und wusste mit vielen Anekdoten spannend zu informieren. Eine Geschichte, die bis zurück in die Römerzeit reicht, die große Zeit begann aber erst gegen 1200. Unterwegs sahen wir auch Marienkäfer-Pflastersteine, versenkbare Poller  und andere interessante Sachen, die wir auch gerne als Anregungen mit nach Hause nehmen. Als wir uns nach der Besichtigung der Münsterkirche schließlich von unserem Führer verabschiedeten, gelüstete uns sehr nach einem warmen Plätzchen und warmem Essen. Die Führung war immer wieder von Regen begleitet, und auffrischende Böen machten das Ganze dann zunehmend ungemütlich.

Unser Quintett brauchte dann eine Weile, bis wir "de Pastorie" wieder gefunden hatten, die uns schon vorher durch das Angebot an Pannenkoeken aufgefallen war. Und wir wurden belohnt, in angenehmer Atmosphäre genoss ich den ersten Pannenkoeken meines Lebens, mit Ham, Kaas, Pesto und Walnoot. Köstlich! Auch unsere Kolleginnen hatten den Weg in de Pastorie gefunden.

Tanja mit Team
Danach trennten wir uns, Caroli, Claudia und unser Schwarzmeerkönig kauften noch in der Innenstadt ein, Ricarda und ich zog es dann doch ins Outlet-Center. Aber wir schafften es, uns einiges anzuschauen, jedoch nichts zu kaufen. Koffer für 280, Handtaschen für 230, einfache Geldbörsen für 95 Oere als günstiges Sonderangebot zu betrachten, gelingt mir einfach nicht.

So verbrachten wir die letzte halbe Stunde in einem kleinen Café, wo uns ein Kollege mit detektivischer Akribie aufspürte und heimlich ablichtete. Wenn man genau hinsieht, kann man sein Spiegelbild in der Scheibe sehen. Hinweise auf die Identität des Stalkers können als Kommentar unter diesem Beitrag eingereicht werden.

Frei nach Dennis Hopper
Die Zeit verging wie im Flug, plötzlich war schon kurz vor sechs. Ab zurück zum Bus, unseren VIP-Platz hatten die KollegInnen netterweise freigehalten. Die Rückfahrt verlief völlig reibungslos, so dass wir kurz vor acht bereits wieder in Andernach waren.

Fazit? Ein schöner Tag mit lieben KollegInnen, kurzweilig und interessant. Und Roermond ist ein nettes Städtchen, wo es noch viel mehr zu sehen gibt. Hier könnte sich ein langes Wochenende lohnen.

05 September 2017

Neues von David Mitchell

In meiner Hamburger Lieblingsbuchhandlung hat er mich erwischt. Vor gut zwei Wochen konnte ich dem neuen Roman von David Mitchell nicht widerstehen, dessen Taschenbuchausgabe gerade veröffentlicht wurde. Auch diesmal hat es sich echt gelohnt. So viele gute Bücher am Stück wie in der letzten Zeit hatte ich noch nie, jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern. Der vierte Volltreffer in Folge - wow!
Ein typischer Mitchell

Wie in den letzten Jahren von Mitchell gewohnt, ist es nicht unbedingt leichte Kost, die er serviert, zudem mehr als 800 Seiten lang. Aber es lohnt sich, dran zu bleiben. Er erschafft hier eine andere Realität mitten im "normalen Leben", die es in sich hat.


Ich zitiere erstmal den Klappentext der Taschenbuch-ausgabe:

Atemberaubend, klug und voller Sprachlust
An einem verschlafenen Sommertag des Jahres 1984 läuft die junge Holly Sykes voller Wut von zu Hause fort. Auf ihrer ziellosen Flucht begegnet sie einer alten Frau, die ihr eine sinnlos erscheinende Nachricht mit auf den Weg gibt. Jahrzehnte werden vergehen, bis Holly versteht, was die alte Frau für ihre Existenz bedeutet, aber nach und nach merkt sie: Hinter der Wirklichkeit, die sie kennt, verbirgt sich unendlich viel mehr … 
Ein Roman, so wild und einfallsreich wie die Phantastik Haruki Murakamis und Stephen Kings, aber mit einem ganz eigenen, überbordenden Sound. Ein bewusstseinsveränderndes Lesevergnügen und ein würdiger Nachfolger für Mitchells Weltbestseller «Der Wolkenatlas».

Und aus der New York Times Book Review:
"Ganz offensichtlich hat David Mitchell noch nichts vom Tod des Romans gehört. Er schreibt mit unbändiger Intensität und Lust an der Sprache, stürzt sich hellwach und voller Leidenschaft in die schwarzen Löcher der Erfahrung"

Das Szenario bewegt sich vom beschriebenen Sommer 1984 in mehreren geschilderten Zeitausschnitten bis zum Jahr 2043. Die Sprünge zwischen diesen "Kapiteln" betragen mal sieben, mal achtzehn Jahre, meist irgendwas dazwischen. Fast jede Ära wird von einem anderen Ich-Erzähler aus seiner ganz persönlichen Sicht geschildert. Jeder Abschnitt spielt an einem anderen Ort. Ich hab manchmal am Beginn eines neuen Zeitabschnitts eine ganze Weile gebraucht, um herauszufinden, wer überhaupt gerade erzählt. Manchmal sind es Figuren, die bereits im letzten (oder vorletzten) Abschnitt vorkamen, manchmal gänzlich neue Figuren. Aber irgendwie ist alles mit allem verwoben.

Es ist spannend, die jeweiligen Protagonisten aus ihrer "Innenansicht" kennen zu lernen, im Gegensatz zu anderen Abschnitten, in denen sie von anderen Ich-Erzählern von außen beschrieben werden. Mitchell schafft es so, dass einem auch ein zynisches Arschloch irgendwie sympathisch werden kann, wenn man es aus dessen Innensicht erlebt. Die Konstante durch alle Zeiten ist Holly Sykes. An ihrer Figur erlebt man mit, wie ein Mensch sich im Lauf seines Lebens verändern kann und trotzdem er selbst bleibt.

© Illustrationen aus: David Mitchell, The Bone Clocks, 2014
Es geht in dieser Geschichte um mysteriöse Dinge, die passieren, unerklärliche Vorhersehungen, um Menschen mit besonderen Fähigkeiten genau so wie um den Umgang mit Schicksalsschlägen. Es geht um unser Verhältnis zu Leben und Tod und um Dinge, die in unserer Gesellschaft offensichtlich völlig schief laufen. Das alles wird nicht in verkopften verschwurbelten Phrasen geschildert, sondern es ist immer eingebunden in Geschichten aus dem Alltag der handelnden Personen.

Mich hat das Buch von Anfang an nicht mehr losgelassen. Selbst die Auflösung der Mysterien gegen Ende im vorletzten Kapitel, die für meinen Geschmack viel zu hollywoodesk und fantasymäßig ist, hat mich nicht davon abgehalten, unbedingt weiterlesen zu müssen. Der Schluss ist zwar schon eine Dystopie, aber diese Zeit hat auch wieder sehr viele menschliche Züge, die in unserer immer schnelllebigeren und technikgläubigen Zeit verloren gehen.

Meine Empfehlung: Unbedingt lesen!

03 September 2017

Kulturnachtschwärmer 2017

Auf die diesjährige Kulturnacht hatte ich mich seit langem gefreut, wie immer in den letzten Jahren. Und wie (fast) immer war meine seelenverwandte Fabienne mit dabei. Weil wir uns vorher daheim festgequatscht hatten, fand unsere gemeinsame Routenplanung diesmal aus Zeitgründen nur sehr grob statt. Am Ende beschränkten wir uns auf weniger Acts als sonst, besuchten diese aber alle gemeinsam.
Zu Beginn teilte uns Christoph in der Christuskirche mit, dass der geplante Poetry Slam leider ausfällt, den wir uns für den Start um 18 Uhr auserwählt hatten. Dafür sollten 3 tolle Bands spielen, die wir uns dann für's Lückenfüllen zwischendurch aufsparen wollten. So spazierten wir erstmal ins Museum. Hier konnten wir uns von Ricarda ausführlich erklären lassen, was die spektakulären Funde auf dem Schumachergelände sind und welche Rolle sie im alltäglichen Leben der Römerzeit gespielt haben. Es wurde ein sehr spannendes Frage- und Antwort-Spiel und wir nahmen einige neue Informationen mit.
Als Nächstes landeten wir nach einem Gang durch die Hochstraße und zum Hügelchen, wo mir Fabienne die blas-orchestrale Aufführung vom "Phantom der Oper" näherbrachte. Dafür konnte ich hinterher Fabienne die neuen Räumlichkeiten der Anker-Buchhaltung zeigen, wo wir uns mit einem herzhaften Zucchini-und-noch-2-Sachen-Küchlein und dem vortrefflichen Espresso macchiato doppio stärkten.
Die Wortlauten nach dem Müßiggang
Es folgte der traditionelle Besuch von Buchingers Wortlauten in der Stadtbücherei. Was die drei in einer Stunde alles zum Thema Müßiggang rezitierten und sangen, war sehr kurzweilig und erheiternd. Wir hoffen, dass uns dieses Vergnügen, dass heuer zum zehnten Mal stattfand, noch viele weitere Jahre begleiten wird.
Wir stärkten uns am Streetfood-Stand vor der Tür mit pulled-pork und Rindswurst, dann machten wir uns mit Caroli und Dieter auf den Weg zum Kunstdorf in den Schloßgarten. Diesmal waren es nur wenige Künstler, die ihre Werke präsentierten. Es war auch bei der Lautstärke der vorne tobenden Band ziemlich schwierig, sich auf die ausgestellten Bilder und Skulpturen zu konzentrieren. Daher währte dieser Besuch auch nicht lange und wir machten vor dem Casa einen Break bei Oma Edith, die mit Freunden am Tisch begeistert den flotten Klängen von Teddy & the Slags lauschte. Die Jungs von Heaven's a Beer mit meinem Kollegen Guido als Leadsänger haben wir dort leider verpasst.
Sieh einmal, hier steht er - Pfui der Struwwelpeter!
Flott machten wir uns auf den Weg zum Merowingerplatz, wo sich die tik-Truppe mal wieder was richtig Tolles hat einfallen lassen. Eine modifizierte Bühnendarstellung des Struwwelpeter mit tollen Kostümen und noch besseren Darstellern. Der Suppenkaspar, der fliegende Robert, der Daumenlutscher, Paulinchen mit Mienz und Maunz waren zu sehen, aber mit veränderten Geschichten. Toll! Für mich ein Highlight: Das ausdrucksstarke Spiel meiner Kollegin Fatima und einiger anderer Darsteller - Wow, das war gelungen!

Königin auf Stelzen
Die Temperaturen waren mittlerweile sehr frostig geworden, gerade am Merowingerplatz blies es derart kalt vom Rhein über das Ausgrabungsgelände, dass wir anschließend dringend, aber vergeblich nach einem Stand mit heißem Tee suchten. Unterwegs durch die Hochstraße trafen wir viele bunte Gestalten, vom Seifenbläser bis zum Stelzenläufer.

Letztendlich beschlossen wir, sofort in die Hospitalskapelle zu gehen, wo zehn Minuten später die beiden Oberton-Interpreten unseren Ausklang bilden sollten. In der Kapelle war es zwar noch sehr leer, aber zum Glück herrlich warm, da war die Wartezeit gut zu überbrücken. Und kurz bevor es losging, fanden sich noch andere Freunde und Bekannte ein, am Ende waren die Reihen gut gefüllt. Und was dann kam, war für mich das Highlight des ganzen Abends. Georg Holtbernd war ausgefallen und wurde durch Lothar Berger supergut vertreten. Er und Ruth Stöcker boten uns sphärische Klänge vom Allerfeinsten. Ich musste zwischendurch immer mal die Augen öffnen, um mich davon zu überzeugen, dass das Menschen waren, die diese Stimmen erzeugten. Besonders die glockenklare, ganz hohe Melodie, die sich immer wieder über die Töne legte, verursachte bei mir eine wohlige Gänsehaut. So muss es sich anhören, wenn Engel singen, bestimmt! Fabienne war teilweise wie hypnotisiert von dem Gesang, auch Anja war sehr geflasht von dieser Darbietung. Wir bedankten uns anschließend bei den beiden. Das war ein würdiger Ausklang eines tollen Abends.


26 August 2017

Neil Gaiman - Der Ozean am Ende der Straße

Wie angekündigt, eine Buchbesprechung meines letzten Leseerlebnisses. Diesmal mache ich es mir einfach und verweise auf die Besprechung einer jungen Dame namens Erdbeerliese, die mir einfach aus dem  Herzen spricht. Es ist schwer, dieses tolle Buch zu besprechen, ohne zu viel vorwegzunehmen, und sie macht das richtig gut:

 Also, auf jeden Fall meine Empfehlung, mich hat das Buch nicht mehr losgelassen.

25 August 2017

Der Ausklang

Ein schöner, aber zu kurzer Stadturlaub geht zu Ende. Für mein letztes Frühstück hat man sogar Waldbeerenmarmelade  aufgetischt. Um kurz nach elf checke ich aus, ein letzter Smalltalk mit der netten Dame an der Rezeption, die sind alle so herrlich normal hier.
Die ursprünglich gebuchte Rückfahrt startete um kurz nach drei auf Fehmarn, Umstieg und Aufenthalt in Hamburg, Weiterfahrt 18:46. Maren ist heute leider unpässlich, daher vertreibe ich mir die Zeit bis dahin in der City.
"Nur noch gerade" das Gepäck am Bahnhof weg schließen. Natürlich muss ich einmal rund um den Bahnhof laufen, um zum ersten Schließfach Bereich zu kommen. 500 Fächer, alle belegt. Eine halbe Bahnhofsrunde weiter im zweiten Bereich ist zum Glück gerade EIN Fach frei geworden. Klappe steht auf, alle starren darauf, ist es kaputt? Neben mir sagt ein junger Service Mitarbeiter "Das ist ok, das können sie nehmen." Schnell wuchte ich meinen Koffer ins Fach. "Jetzt müssen sie die Münzen einwerfen. Sechs Euro.". Super, alle 11 Zwei-Euro-Münzen, die mir der Fahrkartenautomat am Vortag auf einen Fuffi raus gegeben hat, bin ich auf Fehmarn glücklich losgeworden. Nein, Scheine nimmt das Schließfach nicht an. Der Servicemann der Deutschen Bahn kann selbst natürlich auch nicht wechseln, verspricht mir aber, auf meine Koffer aufzupassen, während ich "um die Ecke beim Bäcker" Wechselgeld besorgte.
Ich gehe um die Ecke, wo die Schlange beim Bäcker bis vor den Jungfernstieg geht. Ok, nebenan ein Tabakladen, passt, meine Knakjes sind alle, hol ich direkt neue. Als ich dort nach Rauchwaren von de Olifant frage, verrät das Gesicht der freundlichen Dame, dass sie überlegt, mir den Weg zum Tierpark Hagenbeck zu weisen. Von Knakjes oder Fantjes hat sie jedenfalls noch nix gehört. Wechseln kann sie auch nicht, weil sie "so viel Silbergeld" nicht vorrätig hat (Einen Zehner wollte ich gewechselt haben). Aber sie schickt mich eine halbe Bahnhofsrunde zurück, weil dort, bei der "Deutsche Bahn", werde man mir bestimmt helfen können.

Ich hoffe, der Servicemann hält seine Zusage ein, meinen Koffer zu bewachen, denn bei der "Deutsche Bahn" kann es erfahrungsgemäß ne Weile dauern. Zwei offene Bankschalter - zwei Schlangen. Aber beide nur kurz. Jeder kennt das Problem: Egal in welche Schlange man sich anstellt, es ist immer die, in der es am längsten dauert. Daher wähle ich die kürzere Schlange. Nur zwei Personen. Der erst ist auch schnell fertig, dann gesellt sich ein männlicher Begleiter zu der Dame vor mir. Während in der anderen Schlange acht Personen geholfen wird, diskutieren die beiden mit dem freundlichen jungen Schalterbeamten über - ja über was, wüsste ich auch gerne - sie diskutieren das parallel auch untereinander, wahrscheinlich geht es um die Rettung der Welt oder die Lösung Einstein'scher Formeln. Als sie endlich unverrichteter Dinge und mit mürrischen Gesichtern abziehen, bin ich fast am Ziel meiner Träume. "Nein, wechseln können wir hier nicht," verkündet der freundliche junge Mann, "fragen sie mal nebenan bei den Kollegen vom Gepäckservice, die können ihnen bestimmt weiterhelfen.".
Gedanklich sehe ich mich schon um halb sieben fertig und kleingeldlos zu den Schließfächern zurück kriechen, wo der nette Kollege Aufpasser längst seinen Dienst beendet hat und ich mir keine Sorgen mehr um den Transport von Koffer und Notebook machen muss denn die sind längst weg. Aber ich habe Glück, im Gepäckservice gibt es keine Warteschlange (wahrscheinlich bin ich der erste und einzige, der bis hierhin vorgedrungen ist). Der Kollege dort wechselt schnell und freundlich, und ich bin nach zwanzig Minuten wieder an meinem Schließfach. Der Kollege Aufpasser ist nicht zu sehen, aber mein Gepäck steht noch im offenen Fach. Das Notebook ist noch da. Den Koffer mit der schmutzigen Wäsche hat auch keiner geöffnet, zumindest liegt keiner ohnmächtig vor dem Schließfach. Sechs Euro rein, Fach zu, abgeschlossen, Schlüssel eingesteckt. So einfach kann das Leben sein.
Nur mit dem Rucksack bewaffnet, schlendere ich die Spittaler runter, der Wolsdorff-Tabakladen hat Fantjes vorrätig. Zurück zum Bahnhof und von dort nach St.Georg in die Lange Reihe. Im Hofgarten des Café Uhrlaub serviert mir ein freundlicher Mensch Brokkoli-Auflauf und Johannisbeerschorle, anschließend Espresso Macchiato, und ich verbringe ein schönes Lesestündchen im Garten.
Uhrlaub im Hofgarten
Hier erreicht mich allerdings eine Nachricht der "Deutsche Bahn", die mich stutzig macht. Verspätungalarm! In den Details sehe ich, dass der 15:10 von Fehmarn, in den ich ursprünglich jetzt steigen wollte, eine eigenartige Form von Verspätung hat. Er fährt weder Burg noch sonst irgendeinen Bahnhof bis Hamburg an: Er fährt nicht!
Was das nun in Bezug auf meine reale Reiseplanung bedeutet, kann ich noch nicht richtig einschätzen. Will das Universum mir sagen, dass ich bei meinem ursprünglich geplanten Fehmarn-Urlaub dort gestrandet wäre, dass ich so ab Hamburg aber prima klar komme? Oder will es mir sagen: Egal, was Du machst, ich kriege dich immer und überall?
Geht gleich mein Schließfach nicht mehr auf? Fällt der Zug ab Hamburg auch aus? Heut abend bin ich schlauer.

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Es ist Abend, ich bin schlauer. Die große Anzeigetafel versuchte noch bis kurz vor der geplanten Abfahrt meines Zuges, die beiden vorhergehenden Züge auf diesem Gleis mittels Verspätungen gleichzeitig ankommen zu lassen, überlegte es sich aber im letzten Moment anders und verschob einen Zug nach Italien noch weiter nach hinten.
Als wir alle schon auf dem Bahnsteig warteten, verschwand unser Zug für 5 Minuten komplett von der Anzeige, was einige Reisende maximal nervös machte. Aber dann kam er, fast planmäßig, mein reservierter Platz in Wagen 8 befand sich nur 50 Meter neben dem Ort, wo er laut Wagenstandsanzeiger stehen sollte, das ist in Bahnkreisen fast eine Punktladung. Mein Fensterplatz am Vierer-Tisch war frei, die drei anderen Plätze am Tisch waren mit ähnlich schmalbrüstigen Menschen besetzt. Als die Größe der Sitze damals berechnet wurde, haben noch die kleiner geratenen Neanderthaler Maß gestanden. Aber wir arrangierten uns gut und eben sind in Dortmund alle drei ausgestiegen.
So kann ich meine Mauken jetzt gnadenlos ausstrecken und freue mich, bald wieder daheim zu sein.

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Liveticker Freitag 22:30
Oh Mann, warum schreib ich auch sowas! Jetzt, 10 Minuten nach der gewagten Aussage mit dem Freuen auf Daheim bleiben wir in Düsseldorf verdächtig lange stehen. Und soeben kam die vernichtende Ansage, dass wir wegen einer Streckensperrung nun auf einer Ausweichstrecke über "Opladen" nach Köln fahren und dort 20 Minuten später ankommen. Und die Androhung, dass wir weiter über Änderungen informiert werden.
OPLADEN? Wo zum Teufel ist Opladen?? Vielleicht ein Stadtteil von Bielefeld??? Mein untrüglicher Bahninstinkt sagt mir, das hier was nicht stimmt. Wir stehen übrigens wieder kurz hinter Düsseldorf. Und nichts passiert. Das heißt bei der "Deutsche Bahn" immer, gleich kommt ne neue Ansage.
Und hier ist sie.
22:40: "Meine Damen und Herren, wir halten immer noch auf offener Strecke. Unsere Ausweichstrecke ist nur eingleisig und wir müssen deshalb warten, bis ..... bla bla bla ...".
22:43: Wir fahren wieder. Ganz langsam, aber wir fahren.
23:05: "Köln voraussichtlich +30 Minuten wg. zahlreicher Verzögerungen".
23:22: Wir verlassen Köln mit 24 Minuten Verspätung. Irgendwie scheinen uns weitere Umleitungen über Bielefeld oder Eindhoven doch erspart zu bleiben.

00:08: Daheim!



24 August 2017

Die Insel der Erinnerungen

Meine langjährige Erfahrung mit dem Unternehmen Deutsche Bahn hat mich gelehrt, dass solche Unwägbarkeiten wie fehlende Wagen, defekte Türen oder "wir bitten alle Reisenden auszusteigen, dieser Zug endet hier!" in der Regel nur einmal pro Urlaub vorkommen. Daher konnte ich heute morgen frohen Mutes den dreiteiligen Trip zur Insel antreten. S-Bahn, Regionalbahn, Regionalexpress kamen hin wie zurück pünktlich auf die Minute. Von Lübeck bis Fehmarn saß ich im richtigen Teil des Zugs, der nicht in Sierksdorf abgehängt wurde. Ok, auf der Rückfahrt ein überraschender Gleiswechsel von 7 auf 9 in Lübeck, aber der wurde auch zehn Minuten vorher angesagt.
Doch erst mal ganz von vorne: Mein Frühstück nahm ich sehr früh ein, so dass ich heute nicht mit Don Filippo zum Kaffee plauschen konnte, aber beim Verlassen des Hotels sah ich ihn doch am Frühstückstisch sitzen und konnte mich noch von dem netten Kerl verabschieden. Lieber Philipp, falls Du das liest: Ich hoffe, Du bist gut heim gekommen und ich drück Dir feste die Daumen für den Köln-Marathon!

"Meine Ferienwohnung"
 Die fast drei Stunden Fahrt ermöglichten Lesen, Landschaft betrachten und Dösen, also ein perfekter Start in den Tag. Mittags wurde ich vom Empfangskomitee Dörr in Burg begrüßt. Mit den beiden Freunden fuhren wir zuerst zum Haus, in dem ich einige schöne Urlaube verbracht habe - und hier überkam mich ein eigenartiges Gefühl der Trauer, weil ich meinen verstorbenen Freund Hardy doch in vielem hier wiedersah.

Toruis mit Cappies
Zurück in Burg drehten wir unsere Runde vorbei an den Geschäften und Restaurants  am Marktplatz, machten beim Bäcker eine Kaffee- und Kuchenpause und Helmut und ich konnten auch den Fehmarn-Touri-Caps nicht widerstehen.
Echt Liebevoll hier
Schließlich machten wir vor dem Cafe Liebevoll in der Bahnhofs-straße Station, plauderten dort mit einer netten Frau, und setzten dann unsere lukullische Runde zum Ristorante Borgo Antico am Marktplatz fort. Nach einem leckeren Abendessen und interessanten Gesprächen machte ich mich um 19:31 mit dem letzten Zug wieder auf die Rückreise und fragte mich im Zug, wo die 7 Stunden geblieben waren, die ich auf der Insel verbracht hatte.




Und nun, zurück im Hotel, merke ich, dass solche langen Tage doch auch bei mir ihre Spuren hinterlassen. Es scheint fast so, dass ich auch älter werde, kaum zu glauben. Morgen Abend heißt es "Auf Wiedersehen", die Heimat ruft. Aber daran will ich jetzt gar nicht weiter denken.
Carpe Diem!

23 August 2017

Bummeln im Karo - Labyrinthspiel inklusive

Ein richtiger Bummel- und Gammeltag war angesagt. Was? Noch einer? Jawohl, genau das! Mir fällt im Nachhinein auf, dass das wahrscheinlich der letzte Frühstücksklön mit Philipp war. Er reist morgen mittag ab, ich bin morgen schon früh nach Fehmarn unterwegs und Don Philippo pflegt jeden Tag länger auszuschlafen. Er war ein sehr angenehmer Gesprächspartner beim Frühstück.

Blaubeerlimo handmade - in der Sonne
Heute mittag durchstreifte ich das kleine Karolinenviertel - das Karo, wie es die Eingeborenen nennen. Nach einer ersten Runde um den Block machte ich Siesta im Gefundenen Fressen, besser gesagt davor auf Palettenmöbeln und zu selbstgemachter leckerer Blaubeerlimonade. In der Sonne sitzen, lecker trinken, tolles Buch lesen, Leute beobachten - Mann wie toll ist das! Das ich hier im Lokal von Samy de Luxe war, erfahre ich erst abends im Hotel von Dr.Google.

 Anschließend machte ich ganz neue Erfahrungen im gegenüberliegenden NAHKAUF-KAROMARKT. Was man da geschaffen hat, ist physikalisch eigentlich unmöglich. In einem relativ kleinen Laden von vielleicht 5 x 13 Meter gefühlte 400 Meter Regal unterzubringen, da sagt jeder: Geht doch gar nicht! Da braucht man überhaupt nicht zu rechnen. Hier ist der Gegenbeweis: Es geht!
Unglücklicherweise hatte gerade ein LKW ca. 20 rollbare Warencollis ausgeladen. Das bemerkte ich jedoch erst, als ich mich am hintersten Regal befand und die gesuchte rote Beerenschorle noch nicht gefunden hatte. Der türkische Inhaber dirigierte lautstark seine Großfamilie zum Nachfüllen durch die Gänge, alle sechs mit einem eigenen Rollcontainer ausgestattet. Die Gänge waren eh so eng, dass es nur mit akrobatischer Technik möglich war, aneinander vorbei zu kommen. Stand ein Rollcontainer im Gang, blieben rechts wie links maximal ein Zentimeter Platz, also gar keine Chance, vorbei zu kommen. Nun könnte man auf die Idee kommen, dass die geschäftstüchtigen Männer natürlich den Kunden freundlich Platz machen, denn schließlich sind die Kunden König und man lebt ja von denen. Weit gefehlt! Das hier waren keine devoten Weicheier, die sich verbiegen, um ein paar Mark zu verdienen. Nein, hier gilt noch Ehre und Stolz, und just mit diesem Stolz ignorierte jeder von ihnen alle Käufer im Laden vollständig und führte anstatt dessen lautstarke Diskussionen untereinander in türkischer Sprache, deren Inhalt mit leider (oder zum Glück) völlig verschlossen bleibt.
Dadurch ergab sich für die gefühlten 8 Kunden im Laden ein abwechslungsreiches Labyrinth-Spiel. Ein Gang längs ist leer - husch hindurch - der nächste links quer - Mist, am Ende wieder eine Vollblockade - nochmal links längs zurück - rechts quer - Oh die Kasse am Ende in Sicht, schnell reingerannt - zack schiebt sich in der Mitte der Senior mit einer turmhohen Ladung Konservendosen in den Weg - Mist! Am Ende lande ich wie durch Fügung im rechten Seitengang tatsächlich vor der roten Beerenschorle - die wird leider grad von Junior 1 mit Sixpacks blockiert. Aber mit einem ganz langen Arm von der Seite schnappe ich mir schnell eine Flasche und überbrücke die drei Meter zur Kasse mit einem Hechtsprung, ehe mir Junior 2 den Container mit den Chipstüten in den Weg schieben kann. Geschafft - erlöst!
Die Kundin hinter mir hat leider Pech und bleibt hinter den Chips hängen. Aber - mein Gott, so ist das Leben, einmal zurück durch den ganzen Laden sprinten - neues Spiel, neues Glück!

Draußen durchkämme ich das Viertel längs der lauten Karolinenstraße und lande am Ende wieder an der Marktstraße an einem kleinen Platz mit Bäumen und Bänken, wo sich einige Anwohner und Touristen aller Coleur aufhalten. Das lädt zum Verweilen ein, zum Lesen und Schauen. Beim Türken gegenüber hol ich mir ein leckeres Köfte im Fladenbrot auf die Hand. Und das neue Buch von David Mitchell - Die Knochenuhren - kann ich gar nicht mehr aus der Hand legen.

Friedensallee - Bahrenfelder
Spätnachmittag mit der U3 und S1 wieder zurück nach Altona ins Hotel. Nach einem Päuschen dreh ich auch hier nochmal eine Runde bei tollem Wetter um die Bahrenfelder Straße. Leider existiert das Insbeth nicht mehr, an gleicher Stelle aber immerhin der hiesige Weltladen. Trotzdem Schade.

Hier war einst das Insbeth
Mein Platz vor dem Klamottensen
Der Altonaer Stadtteil Ottensen hat doch einiges zu bieten, wenn man sich die Zeit nimmt, mal hin zu sehen. Am Ende lande ich vor dem gemütlichen Klamottensen und lege bei einem leckeren Latte Macchiato noch eine große Leserunde ein. Ich liebe diese tollen Tage, an denen ich ohne großartige Planung einfach entspannen kann, was mir in einer solchen Umgebung (und heute auch bei tollem Wetter) nicht schwer fällt.


22 August 2017

Vom Schanzenstern ins Schanzenviertel

Heute hab ich mir selbst einen Ruhetag verordnet. Die Fusskilometer der letzten Tage fordern das geradezu heraus. Beim Frühstück berichtete Philipp vom gestrigen Reeperbahn-Bummel mit dem Nachtwächter. Interessante Geschichten über eindeutig zweideutige Etablissements, der Besuch des Boxkellers, in dem noch Ali-Plakate an den Wänden hängen und andere Anekdoten bescherten ihm einen schönen Abend, der erst gegen 2 Uhr nachts endete. Trotzdem saß er um kurz nach neun am Frühstückstisch und plante für den heutigen Tag.

Frühstücksgesellschaft - Philipp sitzt übrigens rechts
Das ist es, das Privileg der jungen Jahre. Wenn mich jemand nach einem solchen Ausflug versucht hätte, um diese Zeit zu wecken, wäre das nicht gut für ihn ausgegangen. Aber so war alles gut und wir konnten unsere morgendliche Frühstücksgesellschaft genießen.

So wünsch ich mir das
Am späten Vormittag machte ich mich dann auf den Weg in's Schanzenviertel. Obwohl sich das Quartier über die Jahre sichtbar verändert, zieht es mich doch immer wieder hierhin. Kaum war ich da, parkt direkt vor meiner Nase dieses Auto ein:

Nach einem Rundgang durch Schulterblatt, Schanzenstraße, Bartelsstraße, Susannenstraße landete ich erstmal vor dem Kostbar. Blauer Himmel, Sonnenschein und ein freier Tisch überredeten mich zu einer Lesestunde im Freien und einem kleinen Snack.

Was ich danach auf jeden Fall noch besuchen musste, war meine Lieblingsbuchhandlung in Hamburg, das Schanzenbuch. Es ist unfassbar, welche Bücher die drinnen in der Auslage haben, von denen ich noch nie etwas gesehen oder gehört habe. Ich muss mich immer schwer zusammen nehmen, um da nicht mit einem großen Karton voller Bücher raus zu gehen, so viel interessante Cover und Klappentexte bekomme ich da zu sehen und zu lesen.

Die Buchhandlung Schanzenbuch - Besuch ist Pflicht

Da ich meinen aktuellen Ozean am Ende der Straße so gut wie durch habe, MUSS ich natürlich etwas mitnehmen. Na gut, zwei Bücher dürfen es sein. Nicht mehr, ich muss ja am Freitag alles mit nach Hause schleppen.

Die beiden Neuen
Und mittendrin die erlösende Nachricht von meinem Lieblingsbrüderchen, dass es ihm nach dem geplanten Eingriff wieder gut geht. So wird es ein richtig schöner Tag. Zurück in Altona genieße ich nachmittags noch das Tagesgericht im BIO-Restaurant des Hotels, mit einer Rhabarberschorle und einem Espresso macchiato. Lecker. Alles in mir schreit nach 2 Stunden Augenpflege. Genehmigt!

Neil Gaiman habe ich fertig gelesen, ein super tolles Buch, Bericht folgt!
Und den neuen David Mitchell konnte ich natürlich auch nicht liegen lassen. Soviel kann ich bereits sagen: Es fängt schon sehr vielversprechend an!

21 August 2017

Vom U-Boot über Porto bis an die ElPhi

Philipp, mein netter Frühstücksbegleiter, erzählte mir heute morgen von seinem Trip zum U-Boot-Museum inkl. Besichtigung des U 434. Interessant war's allemal, ihm hat's Spaß gemacht, mir implizierte die Vorstellung eines U-Boot-Besuchs eher beklemmende Gefühle. Heut Abend um 20:30 will er sich dem Nachtwächter-Rundgang durch St.Pauli anschließen.Von den Landungsbrücken zur Reeperbahn inklusive Besuch des legendären Boxkellers in der Ritze. Was soll ich sagen? Vor 40 Jahren, als ich so alt war wie er, wäre mein Abend verplant gewesen, sobald er das erzählt hätte.
Café Galao in der Sonne
Heute verspüre ich Lust auf andere Dinge. Heute war ich schon mittags an den Landungsbrücken und schlug mich mit Maren die erste Runde durchs Portugiesenviertel, mit einem ersten Stop bei leckeren Café Galão vor dem Café Sul in der Sonne. Anschließend ein Spaziergang zur Hafen-City bis hinter die ElPhi, wo es uns fast von der Brücke blies. Dieses Ding ist ein unsagbar großer kasten. Es ist fast unmöglich, ihn ganz aufs Bild zu kriegen. Vor dem Eingang zur Plaza-Besichtigung Trauben von Menschen, die alle den Ausblick von ganz oben genießen wollten. Tickets musste man gegenüber im riesigen Besucherzentrum kaufen, auch dort viele Menschen. Daher verzichteten wir diesmal auf den Besuch der Dachterrasse in 37 Metern Höhe.
Moderner Gigantismus

Umso mehr freute ich mich auf den Rückweg ins Portugiesenviertel und den Besuch des Restaurants Porto. Ich hatte mittags schon entdeckt, dass hier als Tagesgericht u.a. ein Lachsfilet mit Lauchsoße angeboten wurde, das hatte ich so noch nie genossen. Und siehe da, es war lecker. Die nette Bedienung erklärte mir, dass es so etwas wie "portugiesichen Espresso" nicht gäbe. In ihrer Heimat hätte sich auch der Espresso durchgesetzt. So konnten wir uns auch noch selbigen schmecken lassen, ohne Gefahr zu laufen, gegen die Landestraditionen zu verstoßen.
Lachs mit Lauch - lecker!


Dann geschah das, was mir in den letzten Tagen bereits passiert war. Viel Bewegung an der frischen Luft und anschließendes Schlemmen bewirken das, was meine Ex-Kollegin Wilma treffend formuliert hat: Nach dem Essen werden die Tiere müde! Und so sitze ich heute abend früh im Hotelzimmer, genieße den Ausblick bis zum Fernsehturm, und schreibe diese Zeilen.