18 August 2012

Relax and Goodbye

Nach dem Dänemark-Ausflug gönnten wir uns die letzten 2 Tage ganz viel Nichtstun, Lesen, auf der Terrasse gammeln, Nickerchen halten im Liegestuhl und ähnlich angenehme Dinge.
Heute nachmittag nochmal ein letzter Ausflug nach Burgstaaken, den köstlichen Flammkuchen Fehmarn im et cetera
 verbanden wir mit dem Einkauf auf dem Rückweg. Und dann wurde eine kleine Arbeitsschicht eingelegt. Die Bude gesaugt und gewienert, Spülmaschine angeworfen, die erste Maschine Wäsche aufgehangen. Jetzt kommt langsam Abschiedsstimmung auf. Zum Abschluss gibts noch einen guten Espresso (oder 3?) und ne Edel-Knakjes auf der Terrasse. Die Woche hier oben war kurz, aber mir hat sie sehr gut getan.

16 August 2012

København

Heute war Smørrebrød angesagt, d.h. 5 Uhr aufstehn, kurz vor 7 Abfahrt des Reisebusses in Burg, und abends gegen acht wieder zurück.

Grundtvigtskirche von innen
Dazwischen: Ostseefähre, Tunnel und Brücken, und ne total interessante Stadt, die man in dieser Kürze natürlich nicht wirklich erfassen kann.
Wir sind nach der Busführung zu Meerjungfrau, Grundtvigtskirche und Wachwechsel am königlichen Palast (letzteres unter dem Motto: Dinge, die die Welt nicht braucht) zu Fuß durch die Innenstadt gestreift.

Meerjungfrau

Im königlichen Garten
Strøget
Ein Stück die Strøget hoch, runter zum Canal, durch Nebenstraßen der Strøget zum Royal Garden, runter nach Nyhavn, hier und da mal halt gemacht, gesessen, beobachtet, was getrunken, einen Røde Pølser gemümmelt, und ruck zuck waren 3 Stunden vorbei. Die Stadt scheint sehr vielfältig zu sein. Allerdings auch ziemlich teuer. Ein Latte Macchiato an einer besseren Imbissbude für 49 Kronen (6,50 €) ist normal. Wenn man allerdings die Augen aufhält, findet man schnell die Zonen, in denen erträgliche Preise herrschen. Das alles lädt zu weiteren Besuchen ein.

15 August 2012

Jimi-Hendrix-Memorial-Tag


Zum Gedenken an den alten Helden haben wir heut noch länger geschlafen, noch länger gefrühstückt, und noch länger gelesen. Ich denke, besser kann man einen solchen Tag nicht beginnen.
Manni beim Meer
Außerdem sind wir vom Strand zum Denkmal und zurück zum Parkplatz barfuß gelaufen. Ich denke, das hätte er gemocht :-)
Anschließend in der Orther Yachthafen-Außenkombüse ein leckers Mahl und dann zum Hafen nach Burgstaaken. Der traditionelle Besuch im et cetera darf natürlich nicht fehlen.
Jetzt lungern wir auf der Terrasse rum und freuen uns auf morgen.

14 August 2012

Fahrt in den heiligen Hafen

Heute morgen ging es sportlich los: Mit dem Rad nach Burg, Brötchen und Zeitung holen.
Der rasende Brötchenbote von Niendorf :-)

Und nachdem der kleine Erreger vom Sonntag sich fast ganz zurückgezogen hat und weitere Entfernungen von Haus und Klo zulässt, haben wir uns eine Fahrt nach Heiligenhafen gegönnt. Da der letzte Bus um 19:20 zurückfuhr, mussten wir leider auf den von unsere Kollegin empfohlenen Sonnenuntergang in der Relaxliege auf der Seebrücke verzichten. Trotzdem danke für den Tipp, Pedi. Als kleines Dankeschön dieses Erinnerungsfoto:
Leider waren alle Sonnenplätze besetzt.

Wir gönnten uns in einem Fischrestaurant mit Hafenterrasse was Leckeres. Das Ostseegericht 2012 bestand aus mit Cornflakes paniertem Dorsch, Sprossengemüse, und: Nudeln mit Tomatensauce. Und hier, Doro und Gerd, kommt Euer Suchbild:
Auch ohne Kerstin locker hingekriegt.

Abends zurück in Burg kam ich noch in den Genuss der besten heißen Schokolade meines Lebens, die müsst ihr unbedingt mal probieren.
Pernigotti. Am besten Bitterschokolade oder Orange.

Tja, was gibts sonst zu sagen: Kaiserwetter, strahlend blauer Himmel, 20 - 25 Grad, Nick Hornby auch schon fast durchgelesen. Es könnte langsam mal ne Wolke am Himmel auftauchen......

13 August 2012

Kurze Schwächephase

Nachdem ich am Samstag abend bereits erste Anzeichen erkennen konnte, kam gestern die Vollendung: Reißen und Ziehen im Verdauungstrakt, Frösteln bei 28° Celsius, und ganz viel Blei in allen Knochen signalisierten unübersehbar: Mach mal Pause, Alter! So verbrachte ich 2 Nächte und den Tag dazwischen vorwiegend dick eingemummelt im Bett. Heute morgen schmeckte bereits das Frühstück auf der Terese ganz annehmbar. Und heute nachmittag unternahmen wir den ersten Radtrip ins Städtchen, zum Tourist-Info und auf den Marktplatz. Die Tagesfahrt nach Kopenhagen ist gebucht, und am späten nachmittag traute ich mir beim Italiener am Marktplatz Tortellini ala Panna zu.
Zum Glück war die Portion sehr übersichtlich, im Gegensatz zu Marens Spaghetti Carbonara, die zur Not uns beide satt gemacht hätten. Beim Heimradeln wurde mir dann immer bewußter, warum sich Kamillentee bei lädiertem Verdauungstrakt durchgestzt hat und nicht Schinken-Sahne-Sauce.
Wir erreichten das Haus mit Mühe und Not - der Knabe lebt, das Pferd ist tot - halt, verkehrt, ab jetzt gibts Kamillentee und Brot.
Zum Lesen hatte ich genug Zeit, Die Nachhut von Hans Waal kann ich empfehlen, lustig und sehr nachdenklich. Und jetzt bin ich am letzten fehlenden Hornby-Klassiker How to be good. Das Buch mit bisher schlechtesten Kritiken aller Hornby-Bücher liest sich bis jetzt sehr gut. Ich denke ich werde den Buchladen trotzdem noch aufsuchen müssen :-)


11 August 2012

Deutsche Bahn goes Fehmarn

Immer wieder ein Erlebnis, diese lang geplanten und gut vorbereiteten Bahnreisen. Ab Andernach klappt alles bestens, außer meinem eigenen Zeitmanagement. Viertel nach sechs will ich aus dem Haus, um meinen Zug nicht zu verpassen. Also: 5 Uhr aufstehen, Klo, Dusche, Kaffee und ein Blick in die Zeitung. Gefühlte 20 Minuten also, denn ich muss ja noch den Rest packen und 2 Brötchen schmieren. Von wegen. Als ich beim Kaffee auf die Uhr sehe, bleibt mir der fast im Hals stecken: Viertel nach 6. Beim Versuch, Zahnbürste und Duschzeug einzupacken, fällt das Kästchen mit den Wattestäbchen runter, nicht ohne unterwegs den Deckel abzuwerfen und nach 3 mal Anecken alle Q-Tipps ins Waschbecken und auf den Boden zu verteilen. 6:17. Liegen lassen, egal, schnell noch die gebügelten Hemden in den Koffer legen. Wieso geht der jetzt nicht mehr zu? Wieso verheddert sich beim gewaltsamen Schließen der Reißverschluss mit dem Innenfutter? 6:19.Was mach ich jetzt mit dem übriggebliebenen Brötchen? Ob die Vase  mit den beiden Sonnenblumen von Sigrid 1 Woche ohne Pflege überlebt? Sie muss! Raus, Tür zu, alles ins Auto werfen, auf die Tube drücken, 5 Minuten vor Abfahrt stehe ich auf dem Bahngleis und habe das Gefühl, vieles vergessen zu haben. Egal!

Die Mittelrheinbahn bringt mich vorbildlich pünktlich nach Bonn. Dort, am selben Bahnsteig, kommt ne Viertelstunde später der IC der Deutschen Bahn. Platzreservierung in Wagen 10. Wo ist Wagen 10? Nicht zu sehen. Ich steige irgendwo ein. Drinnen weiß man Bescheid. "Das ist ein Ersatzzug. Ab Köln gibt's voraussichtlich den Originalzug. Kommt noch was per Durchsage."

Wir fahren los - und es kommt tatsächlich ne Durchsage: "Liebe Fahrgäste. Die Deutsche Bahn begrüßt sie im Intercity 4711 von Frankfurt über Köln, Wuppertal, Solingen, Hamburg nach Fehmarn-Burg. Dieser Zug ist ein Ersatzzug, er endet in Köln," Und "In Köln wird der richtige Zug für sie bereitgestellt, in dem sie auch ihre reservierten Plätze vorfinden. Wir bitten die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen."

In Köln wieder raus, kommt tatsächlich 10 Minuten später ein neuer Zug für uns - und es gibt den Wagen 10, Platz 45. Geschafft! Weitere 15 Minuten später fahren wir los, und von nun an belustigt die Bahn ihre Fahrgäste unentgeltlich im 10-Minuten-Takt. "Liebe Fahrgäste, sie können in diesem Zug ihre reservierten Plätze einnehmen. Wenn sie in Wagen 15, 16 oder 17 reserviert haben, beachten sie bitte, dass es diese Wagen in diesem Zug nicht gibt. Diese Reisenden (die jetzt alle am Zugende in Wagen 14 eingestiegen sind) bitten wir, in Wagen 7 oder 8 (also 6 Wagen weiter) Platz zu nehmen. Dort gibt es noch freie nicht reservierte Plätze." Kohorten von schwer bepackten Reisenden ziehen an mir vorbei - und ich bin glücklich, nicht betroffen zu sein.
Doch dann: "Reisende in Wagen 3, die dort reserviert haben, bitten wir, nach Wagen 4 umzuziehen und dort ihre Plätze einzunehmen. Denn Wagen 4 ist ab sofort Wagen 4(?)!" Und wenig später: "Wir bitten die Reisenden, die in Wagen 4 reserviert und dort Platz genommen haben, nach Wagen 5 umzuziehen und dort ihre Plätze einzunehmen." Und immer wieder: Wir bitten die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen. Unsere Verspätung von 24 Minuten ist durch den Parktausch(?) in Köln entstanden." und "Wir wünschen ihnen trotzdem eine gute Reise."

Ach es ist doch immer wieder ein Erlebnis!

Eine kleine Fortsetzung gibt es dann noch in Hamburg Hbf. Während des 20-minütigen Aufenthalts empfiehlt die Zugansage den Mitreisenden in Wagen 11 bis 14, ihre Plätze zu wechseln, da diese Wagen in Hamburg abgehangen würden. Man solle sich weiter hinten im Zug ein Plätzchen suchen, also z.B. in Wagen 4 und 3, wo noch vereinzelte Plätze frei seien. Fazit: Wagen 15 bis 17 kamen gar nicht erst, 14 bis 11 bleiben in Hamburg stehen, es wird eng für mich. Nicht räumlich, denn ich habe meinen Sitzplatz und mein Wagen ist auch nicht pickepackevoll. Aber mein Wagen hat die Nummer 10. Wenn also z.B. in Oldenburg die Deutsche Bahn den nächsten spontanen Einfall hat, bin ich fällig. Hoffen wir mal das Beste.

Noch ne Fortsetzung: Ich bin angekommen, alles ist gut. Nach einem entspannten Abendessen auf der Terese mit knackigem Salat, saftigen Steaks, und gutem Espresso war noch ne Zigarre fällig. Die Tiefenentspannung beim Rauchen sollte man mir ansehen ;-)


01 August 2012

Moral und Politik


Der folgende Erfahrungsbericht des Sozialarbeiters Dieter Carstensen hat mich sehr betroffen gemacht. Welchen Zusammenhang sehen Jugendliche heute noch zwischen Moral und Politik? Traurige Antwort: Gar keine!

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Über Moral und Politik


Moral und Politik sind ja zur Zeit das Thema, was unsere Republik bewegt. Wem kann man überhaupt noch glauben? Welche Partei hält sich noch an ihre Wahlversprechen? Wie soll es weiter gehen? Wann bricht der Euro zusammen? Welche Alternativen gibt es? Was ist mit den Arbeitslosen? Welche Zukunft hat die Jugend? Macht das Leben noch einen Sinn? Um diesen komplizierten Themenkreis drehte sich gestern eine Gesprächsrunde mit Schülerinnen und Schülern von drei zwölften Klasse eines Gymnasiums, zu der mich ein mit mir befreundeter Lehrer eingeladen hatte, um das Ganze aus sozialarbeiterischer Sicht ergänzen zu können.
Es war wirklich spannend, zu erfahren was so junge Menschen wirklich denken. 67 junge Schülerinnen und Schüler hatten als Klassenarbeiten das Thema erhalten gehabt "Über Moral und Politik" zu schreiben, die Klassenarbeiten waren nun alle ausgewertet und die Ergebnisse sollten nun gemeinsam besprochen werden. Keine Klassenarbeit war zu meinem Erstaunen mit schlechter als "gut" bewertet worden, mit dem Einverständnis der Schülerinnen und Schüler durfte ich die meisten Arbeiten lesen, um mich auf die Gesprächsrunde vorbereiten zu können.
War harter Tobak, was die jungen Leute da so geschrieben hatten!
Ist natürlich nicht repräsentativ, aber wenn diese Momentaufnahme von 16 bis 17 jährigen GymnasiastInnen die Sicht unserer Jugend zur Politik wieder spiegelt, wird mir ganz anders. In keinem einzigen der von mir gelesenen Aufsätze tauchte auf, dass diese jungen Menschen noch Vertrauen in die Politik haben, es war vom Misstrauen und Betrug die Rede. Die meisten hielten in ihren Aufsätzen ALLE Politiker, egal welcher Partei, für Lügner und Betrüger.
Mich als überzeugtem Demokraten hat das sehr erschüttert, weil unsere Kinder und Jugendlichen unsere Zukunft sind und wenn sie nicht mehr in unsere Demokratie vertrauen, weil sie sich verraten und belogen fühlen, was dann?
Wir haben dann zwei Stunden lang alle gemeinsam über die Aufsätze diskutiert.
Es ging in der Diskussion viel über enttäuschte Hoffnungen, Lug und Betrug, Korruption, Krieg, Arbeitslosigkeit und Zukunftschancen für diese jungen Menschen.
Die meisten wollen gar nicht mehr wählen gehen, da sie darin keinen Sinn mehr sehen, so ergab sich in der Diskussionsrunde, sie haben einfach resigniert und aufgegeben. Ihr Hauptziel ist ihr eigenes, privates Glück, Themen wie Liebe und Partnerschaft standen für sie an erster Stelle und vor allem Moral im positiven Sinne.
Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Glaubwürdigkeit waren für diese jungen Menschen, in ihren Aufsätzen und in der Diskussion das wichtigste Thema. "Politiker", so sagten sie mir, wäre unter Jugendlichen heute ein Schimpfwort, wenn man jemand anders in der Klasse ärgern wolle, dann müsse man nur sagen, "Du Politiker" und der Andere würde sofort an die Decke springen, bildlich ausgedrückt. Ich nehme Jugendliche immer ernst, nach zig Jahren Sozialarbeit mit Jugendlichen meine ich zu wissen, dass sie wie Erwachsene zu behandeln sind, nur halt weniger Lebenserfahrung haben, aber sie testen das Leben aus, wollen lernen aus ihren Erfahrungen und ich finde, das ist das Recht der Jugend.
Wenn unsere Jugendlichen sich so verraten und verkauft fühlen, durch unsere Politik, wo soll das denn enden?
EIN Jugendlicher war dabei, dessen Ansichten ich als mehr als rechts einschätzen würde, der Junge wollte am liebsten halb Berlin in die Luft sprengen, drei Jugendliche waren sehr links eingestellt und wollten schon Morgen den Kapitalismus abschaffen, wie, dass wussten sie auch nicht, aber es ihr Ziel, weil sie gegen Hunger, Elend und Ausbeutung sind und die Mehrzahl hat resigniert und will nur noch das private Glück finden.
Ich habe dann in der Diskussion versucht, den Jugendlichen Mut zu machen, sich einzubringen in unserer Demokratie, etwas zu bewegen zu versuchen, aber in meiner Argumentation kam ich mir ihnen gegenüber teilweise wie ein "Alien" vor, wie von einem anderen Planeten stammend. Ich bin jetzt 55 Jahre, aber nie zuvor habe ich mich so alt gefühlt, wie in der Diskussion mit diesen jungen Menschen.
Die junge Sandra, 16 Jahre, hochintelligent und nach meiner Einschätzung eher links denkend, sagte zum Abschluss der Diskussion dann wörtlich:
"Dieter, wir sind jung, aber nicht doof. Die Politiker lügen nur rum, Anstand und Moral kennen die doch nicht mehr, sieht man jeden Tag in der Glotze. Wir haben die Schnauze voll von den Irren."
Was sollte ich darauf noch erwidern? Mir fiel nichts ein, gebe ich zu, Sandra bekam einen Riesenapplaus von allen Mitschülerinnen und Mitschülern für ihre Aussage und auch ich habe ihr Beifall gespendet, will ich nicht verschweigen.
Als ich nachhause kam, habe ich mir die Frage gestellt: "Politik und Moral", passt das überhaupt zusammen?
Ich glaube nicht, ich habe von den Jugendlichen viel lernen dürfen.

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Bisher dachte ich immer, dass ein Großteil der Bevölkerung letztendlich doch den Politikern auf den Leim geht, dieser Bericht hat mich eines besseren belehrt, wenn er auch nicht repräsentativ ist. Aber als exemplarische Momentaufnahme taugt er sicher. Da weiß man gar nicht, ob man sich über die Verlogenheit der Politik ärgern oder über den den klaren Durchblick der Jugendlichen freuen soll.

Den Originalbericht findet Ihr unter anderem hier: