29 Oktober 2009

FIFA Frauen-WM 2011

Es geht los, endlich, der Ticketverkauf ist eröffnet. So langsam steigt bei mir die Vorfreude auf ein WM-Turnier, bei dem unsere Mädels gute Chancen haben, die Krone zu ergattern.
Als ich heute beginne, mich im Internet schlau zu machen, wie man am besten an Tickets kommt, wird die Freude schon ziemlich getrübt durch die Art und Weise, wie und vor allem wie teuer die Tickets gehandelt werden. So stellen die Verantwortlichen sich das vor:

Die Preiskategorien richten sich nach der Lage des Sitzplatzes im Stadion.
  • Sitzplätze der Kategorie 1 befinden sich in der Regel entlang der Geraden zwischen den Torlinien.
  • Sitzplätze der Kategorie 2 grenzen in der Regel an Kategorie 1. Auch die attraktivsten Plätze hinter dem Tor können zur Kategorie 2 gehören.
  • Sitzplätze der Kategorie 3 befinden sich in der Regel hinter einem Tor oder in einer der Ecken.
  • Sitzplätze der Kategorie 4 befinden sich in der Regel hinter dem Tor oder in einer der Ecken.
Aufgrund der verschiedenen Grundrisse der FIFA Frauen-Weltmeisterschafts-Stadien variieren die Anordnungen der Sitzplatzkategorien von Spielort zu Spielort. Die Plätze werden anhand objektiver Kriterien in vier Kategorien eingeordnet. Kategorie 1 beinhaltet die attraktivsten Plätze im Stadion, in Kategorie 2 folgen die nächstbesten Plätze, und so weiter.
9 Spielorte: Berlin, Frankfurt, Gladbach, Sinsheim, Wolfsburg, Augsburg, Bochum, Dresden, Leverkusen.

Die einzigen Orte, wo die deutschen Mädels lt. Spielplan nicht spielen können, sind Drääsden und Bochum. Schaaade. In unserem Wohnzimmer anner Castroper Straße hätt ich schon gern wenigstens ein Vorrundenspiel der Deutschen gesehen. Wenn man stattdessen für erschwingliches Geld ein anderes Spiel sehen kann, solls mir auch recht sein. Wer den obigen Kategorienbeschreibungsplan richtig liest, stellt fest, dass nur Kategorie 1 die Plätze enthält, auf denen man wirklich was sieht. Kostet für ein Vorrundenspiel in Bochum 50 Ocken für Erwachsene und 35 für ein Kind bis incl. 16 Jahre. Wer also mit Junior in der Vorrunde der Gruppe C irgendein Spiel (könnte z.B. Kanada gegen Mali sein) sehen will, muss dafür schon mal 85 Ocken hinblättern. Wer man gleich alle 4 Vorrundenspiele in Bochum im Pack kaufen will, spart richtig Geld, denn mit insgesamt 320 Oere kommt das 20 Euro billiger als die Einzeltickets.
Wir sind beim billigsten aller Spielorte, wohlgemerkt. Und garantiert ohne deutsche Beteiligung.
Ja da wirds voll werden anner Castroper Straße *har*har* !!

Dann vielleicht doch billigere Plätze ? Kategorie 2 grenzt direkt an Kategorie 1, die sich beiderseits zwischen den Torlinien befindet. Das können dann ja nur die Ecken sein. (Oder: "Ein attraktiver Platz hinter dem Tor." Gibts doch da gar nicht.) Kostet pro Spiel pro Nase einen Zehner weniger. Macht in unserem Beispiel mit Junior 65 für 1 Spiel oder 240 für den Viererpack. Für einen attraktiven Platz hinter dem Tor ? Entschieden zu teuer, finde ich. Der kostet beim VFL im Heimspiel gegen Bayern 23 Oere, wenn man den Nachwuchs mitnimmt. Für 2 Stehplätze, auf denen wirklich was los ist!

Das hat mich nicht wirklich zu Luftsprüngen animiert. Zudem hat man keinerlei realistische Einschätzung seiner Chancen, wenn man Kartenbedarf anmeldet. Meldet man nur 1 Spiel oder 1 Viererpack an und wird wegen der großen Beteiligung nicht gezogen, schaut man in die Röhre. Bestellt man vorsichtshalber 6 Serien, um 1 garantiert zu kriegen, dann nimmt sonst keine Sau am Ticketlotto teil und man hat 1.500 Ocken am Bein. Immerhin muss man pro Serie nur 1 Ticket persönlich nutzen, den Rest kann man im Freundeskreis feilbieten, wo gerade die Vorrundenkracher wie Korea - Timbuktu reißenden Absatz finden werden.

Ich weiß zugegebenermaßen auch keine wirklich gute Lösung für ein Ticketsystem bei einer solchen Veranstaltung. Aber irgendwie war das Schlangestehen vom Abend vorher an auch keine sooo schlechte Lösung. Ich bin echt gespannt, ob man genügend zahlungskräftige Frauenfußballfans findet, die bereit sind, gegen viel Kohle die beiden Tribünen zu füllen.

17 Oktober 2009

Hamburg ist ne tolle Stadt,

da waren wir uns heut alle einig. Heut morgen sind wir nach einem kurzen Blick auf die Landungsbrücken direkt zum großen Flohmarkt in die Feldstraße gefahren. Groß genug, um unsere Koffer für die Rückreise noch ein wenig praller zu füllen.
Danach ging es übergangslos in den Rundgang ins Schanzenviertel. Nach kleinen Stärkungen im Eiskaffee und im Frank und Frei fuhren wir noch nach Altona, wo uns Straßenmusiker zum Shopping aufspielten. Hier konnte ich im Insbeth den Rest der Bundesligakonferenz sehen, während die beiden Damen auf dem Prinzessinnensofa Platz nahmen.
Zurück im Bahnhof Altona, wurde die Rückfahrt leider von gesundheitlichen Problemen unserer lütten Hamburger Deern überschattet. Zum Glück gehts ihr schon wieder besser, auch von hier aus weiterhin gute Besserung!
Wir waren dann froh, als wir heut abend wieder im Hotel ankamen und werden uns morgen früh wieder auf den Heimweg machen. Leider, aber wir kommen wieder!

16 Oktober 2009

2 an der Alster

Heute morgen um 06:19 begann unser fröhlicher Wochenendtrip am Bahnhof. 2 verschlafene Gesichter nahmen im IC nach Hamburg ihre reservierten Plätze ein.
Mit der Ankunft in HH Hbf war jedoch alle Müdigkeit schnell verschwunden. Weltstadt, wir sind da! Schnell die Nahverkehrstickets besorgt, und dann ab in die S-Bahn zum Hotel. Telekom heißt jetzt commundo, sonst hat sich seit dem letzten Besuch im Mai nicht viel geändert. Einchecken, auspacken, fertigmachen und dann wieder ab in die Stadt.
Nach einem ausgedehnten Einkaufsbummel durch die Spitalerstraße, der lediglich eine Handtasche einbrachte, machten wir am Alex im Alsterpavillon Station. Wie man sieht, gings uns gut.
Leckere Bruschetta mit Käse und Rucola trug ihren Teil dazu bei ebenso wie der anschließende Capuccino.
Gut gestärkt, attackierten wir als nächstes die Geschäfte in den Coloniaden. Zum Glück kam ganz am Anfang ein Zweitausendeins-Ladengeschäft, in dem wir viiiel Zeit verbrachten und dick bepackt wieder hinaus in den Hamburger Nieselregen gingen. Mit nur wenigen Umwegen erreichten wir ziemlich durchnässt den Seiteneingang der Hamburger Staatsoper (!), wo eine nette Hamburger Deern auf uns wartete. Gemeinsam besuchten wir die Vorstellung "Tungalda, Skandinavische Lieder", eine After-Work-Vorstellung der Opera stabile. Jawohl, Premiere für mich - und es war sehr ergreifend!
Anschließend beschlossen wir den Abend am Gänsemarkt bei Ponti, dem netten Italiener. In der Wärme der Pizzeria überkam uns dann irgendwann die schleichende Müdigkeit. (Ok, ich gebs zu, bei der norwegischen Opernsängerin hatte ich bereits ein paar Momente, in denen der Kopf kurzfristig zu viel Schwerkraft entwickelte, aber ich habs geschafft, durchzuhalten!) Nochmal 20 Minuten Fußweg zum Hauptbahnhof ließen uns auch nicht wacher werden
Und so tuckerten wir mit der S21 gemütlich nach Bergedorf ins Hotel. Kurze Lagebesprechung für morgen früh, und ich freue mich jetzt sowas auf mein Bett, das glaubt mir keiner :-)

08 Oktober 2009

Mea culpa catholica

Ich bin durch eine Phoenix-Dokumentation und einen offenen Brief der freien Christen auf das historische Schuldeingeständnis des letzten Papstes (Johannes Paul II.) aufmerksam geworden. Es ist schon bemerkenswert, dass 1.000 Jahre nach dem Beginn vieler menschenverachtender Grausamkeiten die Organisation der Täter die Dreistigkeit besitzt, sich erst jetzt schuldig zu bekennen. Aber nachdem ich Auszüge aus diesem "mea culpa" beim ORF im Internet gelesen habe, kann ich kaum fassen, wie offen die Kirche hier formuliert, was sie wirklich denkt. Hier einige Auszüge:

Liebe Brüder und Schwestern,
lasst uns vertrauensvoll zu Gott unserem Vater rufen, der barmherzig und langmütig ist, reich an Erbarmen, Liebe und Treue. Er möge die Reue seines Volkes annehmen, das in Demut seine Schuld bekennt, und ihm seine Barmherzigkeit schenken.

Direkt mal klarstellen: Nicht die Päpste, Bischöfe und Kardinäle sind Schuld, nein, das (Kirchen-)Volk bereut seine Schuld. Ja wer hat denn die Hexen auf den Scheiterhaufen geschickt? Der Bauer Franz und sein Weib Katharina ?

Herr unser Gott, du heiligst deine Kirche auf ihrem Weg durch die Zeit immerfort im Blut deines Sohnes.

Falsch verstanden, setzen, 6! Wie man an den Untaten sehen kann, heiligt er genau diese Kirche nicht auf dem Weg durch die Zeit. Das Blut, das diese Kirche vergossen hat, war auch nicht das Blut von Gottes Sohn.

Lass jeden von uns zur Einsicht gelangen, dass auch Menschen der Kirche im Namen des Glaubens und der Moral in ihrem notwendigen Einsatz zum Schutz der Wahrheit mitunter auf Methoden zurückgegriffen haben, die dem Evangelium nicht entsprechen.

Soso, notwendig war er schon, der Einsatz ? Bei soviel Zynismus laufe ich echt Gefahr, meine pazifistische Grundeinstellung zu vergessen, so regt mich das auf. Und mitunter, also ab und zu mal ein paar tausend Menschen gefoltert und getötet, naja, das geht ja dann noch, solang sie es nicht täglich machen, oder wie??

Herr, du bist der Gott aller Menschen. In manchen Zeiten der Geschichte haben die Christen Methoden der Intoleranz zugelassen.

Zugelassen haben sie das schon, die Christen, oder die sich als solche bezeichnet haben, gemeint ist wohl wieder das gemeine Katholen-Volk. Aber von denen, die es verbrochen haben, den Päpsten, Kardinälen, Bischöfen und ihren Schergen, ist komischerweise nicht die Rede.

Lasst uns beten für alle Menschen auf der Erde, besonders für die Minderjährigen, die missbraucht wurden.

Für die Messdiener, die von den zölibats-gepeinigten Geistlichen sexuell missbraucht wurden? Das wundert mich jetzt schon, dass man sich traut, dieses Thema anzusprechen. Für alle Missbrauchten?? Da habt ihr wahrscheinlich lange zu beten.

Naja, so geht das endlos weiter. Dazwischen immer wieder viele belanglose Passagen mit Bla bla bla und Allgemeinplätzen wie "Barmherziger Vater, dein Sohn Jesus Christus, der Richter über Lebende und Tote, hat in der Niedrigkeit seines ersten Kommens die Menschheit aus der Sünde befreit."
Was ich vermisse, ist das, was sie mir früher bei der Beichte eingetrichtert haben: Ehrlich und vollständig und klar seine Sünden aussprechen. Ich hab meinem Pastor im glücklicherweise dunklen Beichtstuhl mit hochrotem Kopf gesagt: "Ich habe gelogen, ich habe meiner Mutter Geld aus dem Portemonnaie gestohlen, ich habe unsittliche Handlungen an mir vorgenommen. In Demut bereue ich alle meine Sünden." Mein Gott, war das hochnotpeinlich.

Das würde hier etwas so aussehen: "Wir sind die heilige katholische Kirche, um deren Segen wir ständig bitten. Wir haben über Jahrhunderte in Deinem Namen gefoltert und gemordet und haben uns am Eigentum der Opfer bereichert. Wir haben viele der Täter heiliggesprochen und werden ihnen dies auch jetzt nicht aberkennen. Auch werden wir keinen der betroffenen Ketzer vom ausgesprochenen Bannfluch befreien und werden ihre Seelen weiterhin im Jenseits schmoren lassen. Wir sind, ohne selbst dafür zu arbeiten, einer der reichsten Staaten der Welt. Und wir werden unsere Reichtümer trotzdem nicht hergeben, um die Hungernden der Welt zu füttern."

Genug der Satire, eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als dass wir das erleben werden. Die Realität ist einfach schlimm. Wenn ich diese Dinge sehe, weiß ich, dass mein Austritt aus diesem verlogenen Verein vor mittlerweile 23 Jahren ein richtiger Schritt war. Ich hoffe für die Kirchenfürsten selbst, dass es die Hölle, mit der sie stets gedroht haben, nicht gibt.